Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik u. Religionsphilosophie. 5 Pulsschlage der Geschichte in Einklang setze. Es giebt keine Originalität, die nicht in einem genauen Zusammenhange mit der Geschichte stände. Wenn daher hier für den systematischen Lehrvortrag von Ethik und Religions- Philosophie plädirt wird, so soll damit durchaus nicht das Band gelockert werden, welches die Systematik der Philosophie überhaupt mit der Geschichte der Philosophie verknüpft. Nur soll der Meinung entgegengetreten werden, dass es der richtige Weg sei, den systematischen Lehrvortrag auf den geschichtlichen zu begründen; und dass für beide Aufgaben, insbesondere angesichts der Complication mit dem Arabisten, die Eine philologische Kraft ausreichend sei. Jetzt können wir aber nach dem andern Grunde uns umschauen, der die bisherige Praxis tiefer erklären dürfte. Wir möchten hier an eine andere Frage anknüpfen, die auch zunächst sehr sonderbar scheinen muss. Man weiss, dass die jüdisch-theologischen Lehranstalten, wie sie in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts entstanden, auf Legaten und freiwilligen Zuwendungen beruhen. Wie ist es denn aber zu verstehen, dass die Gemeinden sich der Errichtung und Pflege dieser Anstalten entziehen konnten? War doch damit ihre innere Existenz aufs Spiel gesetzt; woher sollten sie ihre Rabbiner beziehen, wenn die Lehranstalten fehlten, welche die Ausbildung der Theologen zur Aufgabe haben? Und abgesehen von dem geistliehen Dienste hat das Judentum zu allen Zeiten in der Wissenschaft sein inneres Leben geführt; in ihr die fruchtbare Quelle seines Fortbestandes erkannt; sie daher angelegentlich im Fluss erhalten. Wie ist es da zu verstehen, dass die Gemeinden trotz aller ihrer schweren Obliegenheiten es nicht als ihre vornehmste Aufgabe betrachteten, für Pflanzstätten der Wissenschaft Sorge zu tragen? Aus dem Schein des Widerspruchs, der hier gegenüber dem allgemeinen Charakter des Judentums sich auftut,