Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 3)
- Language
- German
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4 Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik u. Religionsphilosophie. vortrag in Ethik und Religionsphilosophie verzichten als auf eine genaue Verbindung der Dogmatik mit ihrer Oeschichte; man glaubte sogar die Begründung des Lehrgehalts in der Geschichte und Literatur dieser Quellen vorzugsweise suchen zu müssen. So ist es gekommen, dass der Schwerpunkt des philosophischen Unterrichts in die Geschichte der Religionsphilosophie gelegt wurde. Es ist dies nicht der einzige Grund; aber bevor wir zur Betrachtung eines andern, tiefer liegenden Grundes übergehen, sei vor Allem einem möglichen Missverständniss vorgebeugt. Wenn wir hier für die Verlegung des Schwerpunktes von der Geschichte in die Systematik eintreten, so soll keineswegs damit ein Gegensatz gegen das historische Studium betont werden. Vielmehr ist es auf allen Gebieten der Philosophie unsere Ansicht, dass nur durch die innerlichste Verbindung mit der Geschichte die Erörterung der sachlichen Probleme gefördert werden kann; allerdings andererseits aber auch, dass die geschichtliche Forschung durch das innerliche Verhältniss zu den sachliehen, zu den systematischen Problemen lebendig und fruchtbar gemacht werden muss. Man muss in eigener Arbeit des Denkens, im eigenen Ringen um die Probleme das rechte Kraftgefühl nicht nur für die entscheidenden Begriffe, sondern auch für die Wendungen erlangen, in denen diese Begriffe zu einer neuen Bedeutung und Prägnanz kommen, um sie bei der ähnlichen Gedankenarbeit in den alten Autoren wiederzuerkennen. Hier ist die feinste Diagnostik die notwendige, wenngleich preeäre Voraussetzung. Dennoch aber wird säe durch die Versenkung in die Autoren geschärft; und die Schwierigkeit der Voraussetzung dadurch von Schritt zu Schritt erleichtert. Andererseits aber ist es ebenso unbedingt zur Forderung zu machen, dass der selbständige Denker, der einen eigenen Bau des Systems anstrebt, sich mit dem