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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. Seite 6

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten
Date
1904-01-01
Page
Seite 6 (sequence 5)
Language
German
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6 Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik u. Religionsphilos op hie ergiebt sich seine Lösung; und damit zugleich die Antwort auf unsere Frage. Es besteht im Judentum ursprünglieh und an sich gar kein Unterschied zwischen Leben und Lehre. Erst die Wucht der neueren Kultur hat auch hier den nicht unzweideutigen Segen der Teilung der Arbeit heraufgeführt. So ist es gekommen, dass seit wir durch Mendelssohn der vaterländischen und der allgemeinen Kultur zugeführt worden sind, das gründliche Studium der jüdischen Literatur unter uns sich besonders extensiv vermindert hat. Die frühere Einseitigkeit machte das Bekenntniss und die Wissenschaft desselben zu einer Art von Identität. Für die Wissenschaft des Judentums brauchten die Gemeinden daher nicht besonders zu sorgen; wenn sie nur für den Gottesdienst sorgten. Gottesdienst ohne das ausgebreitete tiefgründige Studium der Thora war principiell undenkbar. Nur Unterschiede der geistigen Capacität konnten eine Trennung von Gottesdienst und Thorastudium entschuldbar. erscheinen lassen; die socialen Differenzen vermochten einen solchen Unterschied nicht allgemein auszuprägen; denn der Hausirjude konnte ein sehr grosser Gelehrter sein. Daher wurden die Rabbinatsstühle zugleich die Mittelpunkte des religionswissenschaftlichen Lehramts. Und wie man berühmter Lehrer wegen die Universitäten aufsucht, so schaarten sich Hunderte um die grossen Rabbiner, welche als solche Lehrer, und auf Grund ihrer Autorität als Forscher und Lehrer, an grosse Rabbinatssitze berufen wurden. So war von Anfang an der Rabbiner nicht allein der Seelsorger seiner Gemeinde, sondern der Vorsteher des Lehrsitzes (Jeschiba). Der Rabbiner war der Gelehrte der Wissenschaft des Judentums. Als nun aber in der neuern Zeit neue Ansprüche an den Rabbiner herantraten, welche im Allgemeinen nicht

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