Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
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Besprechung* 93 findet, ist de opif. nnindi § 31: ״jenes unsichtbare und ideollo Licht aber ist ein Abbild des göttlichem Logos, der sein Entstehen erklärt; und es ist ein überhimmlischor Stern, die Quelle der sichtbaren Sterne, den man treffend Allglanz nennen könnte, aus welchem. Sonne und Mond und die andern Ges time (ihr Licht) Bohüpfea“ (ich habe nach dem Text meiner Ausgabe übersetzt, aber auch nachdem Mangey’- scheu Text, dessen der Verf. sich bedient, kommt derselbe Sinn heraus). Ich denke, ״klar und pracis“ ist hier gesagt, dass das Urlicht oder das ideelle Licht (ganz ebenso wie alle andern nach Philo’s Anschauung am ersten Tage geschaffenen Dingo der ideellen Welt) ein Abbild des Logos ist, nicht aber der Logos selbst. Man sieht also, mit welchem Rocht der Verf. durch sein ganzes Buch hindurch behaupten kann, dass in allen Talmud* und Midraschstellen, in welchen vou dem am ersten Tage geschaffenen Licht die Rede ist, der alexandrinische Logos verstanden werden müsse. In der Midraachstelle Exod. Rabba 15, die der Verf. an drei verschiedenen Stellen seines Buches (S. 44. 195. 242) in extenso anführt and übersetzt, findet er die ganze Platonische Theorie der Weltschöpfung und die Quintessenz der Philonischon Logoslohre niedergelegt. Wer aber den Text dieser Stolle unbefangen liest, wird, wenn er etwaß ־von Philo weiss, keine Spur der Philonischon Lohre vom Logos darin finden; und bei genauerer Prüfung der Uebersefczung des Verf.’ß wird jeder erkennen, dass mancherlei in die Stelle hineingelesen ist, was gar nicht darin steht. 1, ברוך המחצב ־שנחצב מסנר kann nicht heissen: ״gepriesen sei der Stoß, aus welchem diese herrliche Säule gehauen ist״, sondern ״gepriesen sei der Künstler, von dem die Säule aogefertigt ist״; denn da im zweiten Gliode folgt ברוך המקום שחצבו ובראו , so hinkt der Vergleich bei W.'s Auffassung. 2. In dem Worte בדבר wird kein Unbefangener den Logos vors toben, sondern das biblische Wort Gottes 1• .(ויאמר אלהים יהי אוס. Die Worte אשריך העולם שהקב״ד, המליך בךמלך (die Stellung מלך המליך בך ist doch wohl bloss Druck* fehler) übersetzt der Verf.: ״Heil dir, 0 Welt, dass der Heilige, gelolt sei er, in dich einen Regenten eingesetzt hat“. In den Ausgaben steh 1 aber nicht המליך sondern המלך, es ist also za übersetzen: ״Heil Di. o Welt, dass der Heilige, gelobt sei er, König über Dich ist“, wie es auch der Gedankenzusammenhang verlangt (מלך ist offenbar zum Folgendon zu ziehen: מלך בשר ידם>. Auf Grund der so interpretierten Stollen behauptet nun der Verf., dass die Alexandriner vor Allem das Licht entstehen lassen mussten, bevor die Welt erschaffen werden konnte, und dass dies eine ״fundamentale Grundlehre״ (sic) dor alexandrinischen Theosophie war, dia in den Vers Paalm 104, 2 hineingolosen wurde, da sie aas der Schöpfungsgeschichte dor Bibel nicht herauszu tüfteln war, wo das Gegentheil gesagt ist, dass Gott zuerst Himmel und Erde schuf and dann das Licht (S. 43). Das Beispiel zoigt rocht eklatant, wie der Verf. agadische Erklärungen der Taltnudlehror ohne allen Grund den Alexandrinern in die Schuhe schiebt. Nicht die Alexandriner haben hier etwas in die Bibel hineingelesen, nur in der Phantasie des Verf.’s existiert die Lehre, die er den Alexandrinern zuschreibt, und ״die sehr verzweifelte Lage״, in der sie aich dabei befanden haben sollen. Der Verf. kennt Philo’8 Theorie der Weltschöpfung nicht. Es ist durchaus falsch, daas Philo im Gegensatz zur heiligen Schrift zuerst das Licht und dann Himmel und Erde geschaffen sein lässt: das Licht ist bei ihm nicht das erste, sondern das letzte, was am ersten