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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 1 · p. Seite 67

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 1
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1903-01-01
Page
Seite 67 (sequence 15)
Language
German
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Die Vorlesungen Harnacks über üas Wesen dos Christenthums. 67 Wie immer man sich zu dieser Erklärung der liberalen protestantischen Theologie stellen mag, unbestreitbar ist es, dass das Wesen der Lehre des Christen! hu m 8 v o n Gott, sein Monotheismus, die Vorstellung von Gott, dem Schöpfer des Himme 1s und der Erde, dem Lenker und Richter der Welt, dem Heiligen und dem Erhabenen, dem Allgegenwärtigen und Allwissenden, dem Gott ״der Geister in allem Fleische“, der ״gütig ist, gegen Alle und dessen Erbarmen geht über all seine Geschöpfe“ 11 n m i 11 e 1bar den Büchern des Alten Testaments entnommen sind. Sprüche und Lieder aus diesen Büchern sind es, die in den Kirchen, wie in den Synagogen, das Lob Gottes verkündigen, die dem religiösen Denken und Fühlen aller Zeiten und Geschlechter einen ergreifenden und erhebenden Ausdruck gegeben und die mächtigsten Anregungen geboten haben. Wenn vielfach von christlichen Theologen1) ״die Verinncrlichung der Gottesidee als der entscheidende Fortschritt des Christenthums über sämmtliche vorchristliche Religionen“ erklärt, wenn dargelegt wird, dass ״der Gegensatz von Himmel und Erde, der auf alttestamentarischeni Gebiete die Gelahr partikulai'istischer Begrenzung für den Gottesbegriff mit sich bringt, sich im Gottesbewusstsein Jesu in die Einheit des ״ewigen Lebens“ aufgelöst habe, so wird den zum Beweise dafür ange־ führten neute&tamentüchen Bibelstellen2) eine Deutung gegeben, von der ihr Wortlaut nichts ahnen lässt. Und andrerseits werden alttestamentarische Bibelstellen, die klar und zweifellos das Gegentheil jener Behauptung beweisen, nicht beachtet. Die Forderung Jesu, Gott anzubeten ״im Geiste und in der Wahrheit“ war nichts Neues für eine Religion, die gebietet, Gott zu lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und ganzem Vermögen, die die Frömmigkeit selbst eine Erkenntniss Gottes nennt, die in das Iier-z aufgenonnnen werden soll3), die diese Erkenntnise dahin bestimmt, dass der Ewige Liebe, Recht und Gerechtigkeit auf Erden schafft und daran Wohlgefallen hat4), die das Gebet den Gottesdienst des Herzens nennt und fordert, dass der Betende sein Herz *) So z. B. : Schenkel a. a. 0. Artikel Gott II 516. a) Ev. Matth. 19, 29, Joh. 7, 16 ff. ־ ö) 5. B. M. 4, 89. 4) Jerem. 9, 23. 5*

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