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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 1 · p. Seite 64

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 1
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1903-01-01
Page
Seite 64 (sequence 12)
Language
German
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(>4 1^6 Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. Vater1). Auch der jüdisch-alexandrinische Roligionsphilosoph Philo, der Urheber der Lehre ,vom Logos als dem Mittler /.wischen Gott und Menschen, lehrt, dass die Seele durch Gottes höheren Beistand zu ihm, dem göttlichen Urbild, sich empor zu arbeiten vermöge, während die christliche Theologie in ihrer Entwickelung seiner Ideen den Logos vom Himmel herabkommen liess, ״um den degenerirten Nachkommen des irdischen Adam die ]!and zur Erlösung zu reichen2״). Es war die griechisch-römische Philosophie, von der die Lehre von der Verderblichkeit der menschlichen Natur ausging. ״Die Freude an der eigenen Herrlichkeit war dahin3״), so schildert llnusrath die Empfindungen der in ihren hervorragendsten Schriftstellern zum Ausdrucke kommenden Kaiserzeit, ״von Geschlecht zu Geschlecht mehrt sich die Klage über die Gebrechlichkeit der menschlichen Natur, über die Schwäche der Erdgeborenen, über die natürliche Sündhaftigkeit des Menschen, der den Göttern in keiner Weise zu gelallen vermöge und auf dem darum der Zorn der Götter laste״ .״Aus demselben Schmerzgefühl einer ihrem Untergange entgegengehenden Cultur stammt die Welrauffassung der Gnostiker. Diese irdische Welt ist nur ein Ablall der himmlischen, entstanden durch Schuld oder Unglück besserer Wesen, oder durch Bosheit des Teufels. Welten und Welten trennen die gefallene Seele von dem seligen Gott und die Sehnsucht nach ihm ist das einzige Angebinde, das ihr die Erlösung aus dieser Welt des Jaminers verbürgt״. Diese Sehnsucht führte vielfach Griechen und Römer zu der vom Christenthum verlieissenen Erlösung durch den vom Himmel gesandten ״Sohn Gottes״. Und die Anschauungen und Gedanken, die sie mitbrachten, entwickelten sie sodann weiter im Rahmen christlicher Lehren und Erzählungen. Griechische Philosophen!© waren bereits durch Paulus in das Christenthum eingedrungen, sie gewannen allmälig immer weitere Verstärkung und Ausbildung4*). Die lateinischen Kirchenväter Tertullian und Augustin haben das Dogma von der Erbsünde ausgebildet,* letzterer gestützt auf Pauli Brief an die Römer (9, 14 ff), sodann auch die Lehre von der Prädestination oder GnadenwahU ') Mischna Joma 8, 9. 2) Hausrath II.2 158 ff. 3) Das. II S. 39 f. III 482 ff. 4) Hausrath &• a. 0. IXI* 626 ff, Harnack Doginengesch. 1*417 ff«

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