Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen dos Christenthums. 6,3 genannten Sünden.falle durchaus keine lur die Nachkommen Adam’s und Eva’s entscheidende Bedeutung beigelegt. Die Worte Gottes an Kain ״fürwahr, wenn du da« Gute 111 u 81, k a מ n 8 t du dein Angesicht hoch heben; thust du aber das Gute nicht, so ruht die Sünde vor der Tliüre, und nach dir ist ihr Verlangen; du aber kannst über sie herrschen“ sprechen in der entschiedensten Weise die Lehre aus, dass der Mensch Kraft seines Willens das Gute thun und die Sünde beherrschen könne. Sie zieht sich durch alle biblischen Schriften hindurch. Auf die Gnade Gottos hinweisend, fordern die Propheten zur Rückkehr und Busse auf und treteu der in schlimmen Zeiten sich regenden Verzweiflung entgegen, die sprach: ״unsere Sünden und Fehler sind auf uns, durch sie schwinden wir hin, wie sollten wir loben'1). Als bei dein schrecklichen Zusammenbruche des jüdischen Staates und in der Nofch des babylonischen Exils die Klage vielfach laut wurde, dass die Söhne büssen müssen, was die Väter verschuldet haben, da traten die Propheten Jeremias und Ezechiel diesem niederdrückenden Gedanken entgegen und lehrten : * *die sündige Seele muss sterben, der Sohn aber hat nicht zu tragen die Schuld des Vaters, noch der Vater die Schuld des Sohnes; die Gerechtigkeit, des Gerechten kommt auf ihn und die Bosheit des Bösen kommt über ihn“2). In den Psalmen, im Buche Hiob und anderwärts spricht sich vielfach ein tiefes Bewusstsein der eigenen Schuld, der -menschlichen Schwäche und Sündhaftigkeit, wie der Leiden dieser Welt׳ überhaupt'aus, aber es ringt sich auch immer wieder zur festen Hoffnung empor. Als der Tempel zerstört worden war und man fragte, was nun die Opfer ersetzen sollte, die bisher als Sühnemittel für einzelne Sünden ge* gölten hatten, da bczcichnete Rabbi Jochanan ben Sakkai als das beste Sühnemittel der Schuld die Hebung guter Werke und verwies auf das Wort des Propheten Hosea : ״an Liebe habe ich Wohlgefallen und nicht an Opfer“3). Und Rabbi Akiba. pries in Betrachtung des jüdischen Versöhnungs* tages Israel glücklich,, dass 08 seine Reinigung von Sünden suche und finde bei seinem himmlischen י) Ezecb, 33, 10 ff. J68. 1, 18 f. 55, 7. *) Jercm. 81, 29. Kzech. 18, 20. *)6, 6.• Vgl. Midrasch Jalkut 3. St. and Spr. 16, 5.