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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 1 · p. Seite 61

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 1
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1903-01-01
Page
Seite 61 (sequence 9)
Language
German
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Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christentbums, (J! Geist. Und insbesondre bei Lucas ist bereits das Kind Jesu Gegenstand andächtiger Betrachtung und seine .Mutter wird als eine Gebenedeiete gepriesen. Der Begriff eines ״Sohnes Gottes“ gewann sodann noch eine weitere Bedeutung durch seine Verbindung mit dem ursprünglich philosophischen Begriff des Logos. Diesen, der zugleich Gedanke und Wort, Geistiges und Sinnenfälliges bedeutet, hatte der jüdische Religionsphilosoph Philo von Alexandrien als das Mittlere bezeichnet, das von Gott zur Welt, vom rein Geistigen zur Materie hinüberleite. Der Logos ist ihm der Weltplan im Geiste Gottes und zugleich die gestaltende Kraft in der Welt selbst. Klar war diese Art der Vermittelung nicht gedacht. Sie erscheint bald als eine״ Ordnung, bald als eine Sache, bald als eine Personlichkeit, und wird dadurch nicht klarer, dass Philo sie durch eine Fülle von Bildern deutlich zu machen sucht. Der Logos ist nach ihm das treueste Abbild Gottes, dessen erstgeborener Sohn, das Urbild der Welt und insbesondere des Menschen, der Erzengel, durch den Gott seine Gesetze verkündigte, der heilige Geist der Prophetie, das Prinzip der Weisheit und Tugend in den Seelen der Besten, der Hohepriester, der Gott die Wünsche der Menschen, den Menschen die Wünsche Gottes dolmetscht1). Aber gerade die Unbestimmt״ heit dieser Vorstellung entsprach dem vorhandenen Bedürfwisse, die scharfe Scheidung zwischen Gott und Welt, Geist und Materie, Gutem und Bösem, zu der das philosophische Denken jener Zeit gekommen war, zu beseitigen und eine Gemüth und Pbanta&ie befriedigende Verbindung zwischen Gott und den Menschen herzustellep. Nun erklärten philosophisch gebildete Christen, der Logos, der von Anfang an bei Gott war und selbst Gott war, sei in Jesus Fleisch geworden, sei unter den Menschen gewandelt und habe zum Heile der Welt den schimpflichen Tod auf sich genommen, um sodann wieder zu seinem Vater zurüokzukehren und denen, die an ihn glauben, Heil und Seligkeit zu gewähren. Diese Auffassung des ״Sohnes Gottes*4 vertritt das Johamaesevangeiium. Sie kam ebenso den religiösen Anschauungen der griechisch-römischen Welt entgegen, die gewohnt war, ihre Göfcfer persönlich auf die Erde heruntergestiegen sich vorzustellen2), wie sie dem philosophischen 1l Bausrath, nöutestam. Zeitgesch. H 55 ff. Graetz, Gösch, d Juden III3 419 f. •*) Vgl. Strauss, Chr. Glaubenslehre I, 425.

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