Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Verlesungen Harnacks über das Wesen des Clmstenthums. 5(J und fährt sodann fort (S. 44): ״Eine Umwertung der Werte liegt dieser höchsten Werth sch iltzung zu Grunde. Dem, der sich seiner Güter rühmt, ruft er zu : ״Du Narr.“ Allen aber ’lullt er vor: ״Nur, wer sein Leben verliert, wird es gewinnen“. Er kann sogar sagen: ״Nur wer seine Seele hasst, wird sie bewahren“. Das ist die Umwertung der Werte, die vor ilun manche geahnt, deren Wahrheit sie wie durch einen Schleier geschaut, deren erlösende Kraft — ein beseligendes Geheimniss — sie vorempfunden haben. Er zuerst hat es ruhig, einfach und sicher ausgesprochen, wie wenn das eine Wahrheit wäre, die man von dou Striiuehern pflücken kann“. Die Worte Nietzscl1e?s von der Umwertung der Werte können nicht leicht eine weniger zutreffende Anwendung finden, als es in diesen begeisterten Worten Harnack’s geschehen ist. Was Jesus von Gott und dem Vcrkältniss des Menschen zu ihm gelehrt hat, das war niedergelegt in den heiligen Schriften Israels, das lebte in dessen Gebeten und wurde von zahlreichen anderen Predigern vor und neben ihm verkündigt. Die bereits vorhandenen Begriffe hat 01• weder erweitert, noch erhöht. Es sind nur wenige Merkmale, die er von Gott ausgesagt hat. Er hat die ihm selbst gegebene Bezeichnung ״gut“ zurückgewiesen und gesprochen: ״Niemand ist gut, als Gott allein“1). Er hat ferner zu seinen Jüngern gesagt: ״seiet vollkommen wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“2). Der Preis der Güte Gottes tritt im Alten Testamente überall uns entgegen, er wird mit dem Hinweise auf das ganze Gebiet des Natur- und Menschen״ lebens gelehrt und wurde beim Gottesdienste im Tempel, wie in den Bethäusern in dem häufig wiederkehrenden Refrain ״Danket dem Ewigen, denn er ist gütig, und ewig währet seine Gnade“ verkündigt3). Dass der Mensch Gott nicht nur verehren, sondern auch ihm nach• streben solle, ist der Sinn des Gebotes ״heilig sollt ihr sein, denn ich, der Ewige euer Gott, bin heilig und wird von den Schriftgelehrten in ihrer Deutung des Wortes ״Gott sollt ihr nachwandeln“ insbesondere auf das Verhalten Andern gegenüber ausgedehnt, ״Gott nach- ף Marc. 10, 18. a) Matth, ö, 48. 3) Ps. 106, 1, 107, 1. 108, 1. 186, 1.