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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 1 · p. Seite 56

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 1
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1903-01-01
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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56 Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. Sein Schlusssatz ״dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit״ wurde ihm erst durch den gottesdienstlichen Gebrauch 'der Kirche hinzugefügt und ist einem Gebete Davids1) entnommen. Ebenso erscheint es nicht überflüssig, darauf hinzuweisen, dass der besonders im liturgischen Gebrauch der protestantischen Kirche stehende Segen ״der Herr segne dich und behüte dich, es lasse der Herr sein Antlitz dir leuchten und sei dir gnädig, es wende der Herr sein Antlitz dir zu und gebe dir Frieden“ der Segen ist, den täglich die israelitischen Priester im Tempel zu sprechen hatten2), und der allgemein auch als Segensspruch der Eltern für ihre Kinder in Anwendung ist. Den Gedanken von der Gotteskindschaffc findet Harnack 2) ausgesprochen in den Worten Jesu : ״freuet euch nicht, dass euch die Geister unterthan sind, freuot euch aber, dass eure Namen im Himmel angeschrieben sind“. Er findet in diesen Worten ״mit ganz besonderer Kräftigkeit den Gedanken hervorgehoben, dass das Bewusstsein, in Gott geborgen zu sein, in dieser Religion das Entscheidende ist. Selbst die grössten Thaten, sogar die Werke, die in Kraft dieser Religion gethan werden, reichen nicht heran an die demüfchige und stolze Zuversicht, für Zeit und Ewigkeit unter dem väterlichen Schutze Gottes zu stehen“. Schlagen wir aber nun die angeführten Worte an ihrer Quelle naoh, so finden wir3), dass Jesus sie zu seinen Jüngern sprach, als sie von-der Sendung, zu der er sie ausgesandt hatte, zurückkehrten und freudig ihm berichteten : ,,Herr, auch die Teufel sind nns in deinem Namen unterthan“. Jene Worte bedeuten danach, dass die Jünger ihre Anerkennung und ihren weiteren Lohn im Himmel erhalten werden und haben eine ganz bestimmte und beschränkte Bedeutung. Der Gedanke aber, den Harnack in ihnen sucht, ist mit unvergleichlicher Kraft und Klarheit ausgesprochen in den Psalmversen : ״wen habe ich im Himmel, und aussor dir begehre ich nichts auf Erden. Wäre gleich mein Fleisch und mein Herz dahinge״ sch wunden, Gott ist immer meines Herzens Hort und mein Theil1 .(* *״ Harnack findet 3. den Gedanken von der väterlichen *) l.'B« Chr. 29, 10 u. 11. *) 4. B. M. 6, 23 ff. 8) Lucas 10, 20 ff. «) 73, 25 f. Vgl. auch dis Psalmen 16. 23. 27. 42. 63. 91/ u, a, f.

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