Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829768-2829770-2845751--31838-2845822- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
T)ie Vorlesungen Harnacks über du* AV0*en 110* Cliristenthum*. 5f) dein Reich“, enthalten wesentlich die Gedanken am Beginne des jüdischen K ad d i 8 c h gebetes. Das Gebot1) ״Ihr sollt nicht entweihen meinen heiligen Namen, ich will geheiligt werden in der Mitte der Kinder Israel, ich, der Ewige, der euch heiligt״, ist ein Grimdgebot der jüdischen Lehre und wurde von den Schriftgelehrten kurz als das Gebot des ״ קידוש השםder Heiligung des göttlichen Namens“ bezeichnet2). Es verlangt die vollkommene Hingabe an Gott auch mit dem Opfer des eigenen Lebens. Das Bekenntnis zu diesem Gebote wurde daher als Keduscba und K ad di sch in das tägliche Gebet der Gemeinde aufgenommen. Das letztere insbesondere erhielt seine Fassung nach den Worten des Propheten Ezechiel3), welche die einstige Anerkennung von Gottes Grösse und Heiligkeit; auch seitens anderer Völker verkündigen, und erbittet im An- Schlüsse an sie das baldige Kommen des Gottesreiches. Ebenso stimmen die weiteren Bitten des ״Vaterunser“, ״dein Wille geschehe im Himmel, so auch auf Erden, unser t ä g 1 i c h B r 0 t gib uns heute, vergib uns unsere Sünden, j’ühre uns nie 111 in Versuchung, er 1 ö‘8 e uns v-o-m Bösen“ nahezu im Wortlaute mit den uns überlieferten Lehren und Gebeton der Schriftgelehrten überein4). Sie sind in Gedanken und zumeist auch in Worten in gleicher Weise, wio diese, den in den jüdischen Gotteshäusern jener Zeit gebräuchlichen Gebeten entlehnt, die an die Psalmen und andere biblische Lehr- und Gebetstücke sich anschlossen5) und nou auftretenden Wünschen, wie auch jetzt zu festerer Ausbildung gelangenden religiösen Vorstellungen und Glaubensanschauungen Ausdruck gaben. Aus den grösseren Gebeten der Gotteshäuser wurden sodann für das tägliche Leben und den Gebrauch der Einzelnen kurze Auszüge der wesentlichen Gedanken in kernigen Sätzen veranstaltet, 80 insbesondere von dem aus achtzehn Segensprüchen bestehenden täglichen Hauptgebete. Eia 80 IcheF Auszug ist auch das Gebet ״Vaterunser“.; 3 (ג. B: M. '22, 32. 2) Siphra z. St. IX § 4. Maimon. h. jesode thöra 5, 1. *) 88, 23. 4) Mechilta zu 2. B. M. 16, 4. Talm. b. Berachot 16 b u. 17 a, 29 b . 60b. : 6)'Vgl. Berachot 33a. ־ « v