Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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'54 Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. Gesinnung und Stimmung e8 erzeugt, als das ״Vater-Unser“. Auch 8011 man allen, die das Evangelium heruntersetzen, indem 8ie es für etwas Asketisches, oder Ekstatisches oder Socielegisches ausgeben, das Yater-Unser Vorhalten. Nach diesem Gebet ist das Evangelium Gotteskindschaft, ausgedehnt über das ganze Leben, ein innerer Zusammenschluss mit Gottes Willen und Gottes Reich und eine freudige Gewissheit im Besitze ewiger Güter und in Bezug auf den Schutz vor demUebel“. Diesen Worten mögen sich folgende des grossen holländisehen Theologen und Staatsmannes Hugo Grotius1) anschliessen. ״Was aus den Schriften der Hebräer von Manchen hierzu (zum ״Yatei’-Unser^angefiihrt worden ist, lehrt uns, dass dieses Gebet von Christus nicht sowohl mit von ihm stammenden Worten verfasst, als vielmehr aus dem zusammengestellt worden ist, was in den Gebeten der Hebräer ihm lobenswert!! erschien, so wie er auch in seinen Ermahnungen verschiedenfach von den in jener Zeit bekannten Sprüchen Gebrauch macht“. ״Die Gotteskindschaft“ wird im fünften Buche ]Mosis2) kurz mit den Worten gelehrt: ״Kinder seid ihr dem Ewigen eurem Gotte“. ״Du sollst wissen in deinem Herzen, dass (nur) wie ein Yat er seinen Sohn züchtigt, 80 dich der Ewige, dein Gott, züchtigt“ heisst es beim Hinweise auf die während der Wüsten Wanderung erduldeten Leiden“3). ״Nicht nach unseren Sünden thut er uns und nicht nach unserer Schuld vergibt er un3. Sondern, wie der Himmel höher ist, als die Erde, ist seine Gnade mächtig über die, die ilm ehrfürchten . . . Wie ein Vater sich erbarmt über seine Kinder, hat er über uns sich erbarmt. Denn er kennt unsern Trieb, ist eingedenk, dass wir nur Staub sind“. So verkündigt Psalm 103, 10 ff. ״Unser Vater im Himmel“ אבינר שבשמים ist einein der nachbiblischen jüdischen Literatur häufig verkommende Bezeichnung für Gott und wird insbesondere als Anrede in Gebeten gebraucht, während bei Lobpreisungen und Danksagungen er als ״Ewiger, unser Gott, König der Welt“ angesprochen wird4). Die Bitten ״geheiligt werde dein Name, es komme l) Aimotationea in libros Evangel.׳ ad. Matth. 6, 9. OE. in. Halae 1769. ־.־־ ■■ .י•■■־■• , * ' ’) 14, 1. .־. V״ . . ל .- ־ .־ ־ ־,־־י;:־. Das. 8, ö. ־ ' ־.־'־ ־ ד ' . ' V •Vgl. Dalmanj-Die Wotte Jösu 102 ff•■1 ׳ v ~