Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 12)
- Language
- German
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Das Judenthum im neutestamontl. Zeitalter in Christi. Darstellung. 49 gewesen“. S. 170 wird gesagt: ״Das Judenthum ist seinem Charakter nach vorwiegend eine Religion der Praxis und des Handelns. Alle Reflexion über den Glauben tritt vor der einfachen Praxis zurück4. Hinwiederum S. 175: ״Thatsäc blich vorhanden ist der Glaube in jeder lebendigen Religion, ja er ist überall ihr Centrum4. S. 177 findet sieb der Satz: ״Die jüdische Gesetzesfrömmigkeit verhindert zwar den Durchbruch der Erkenntnis der fuudamentalen Bedeutung des Glaubens4. Dagegen S. 3G7 : ״Gerade im Spätjudenthum wird man aut das Grurddatum aller Religionen, den Wert des Glaubens, aufmerksam4. Zuweilen stehen die Widersprüche dicht neben einander und werden in einem Athemzuge vorerebrachfc z. B. S. 356 : ״Ein gewisser Fortschritt׳ in der Vertiefung und Individualisiernng der Religion macht sich geltend. Die einzelnen Frommen wagen es, ihr individuelles Verhältnis zu Gott unter den Gedanken der Vaterliebe Gottes zu stellen. Aber die Stimmung ist eine vorübergehende und unklare, die Prädicate Vater und König wechseln beliebig. Von dem Gottvaterglauben des Evangeliums ist noch niefct viel vorhanden. Aber bis zu einem gewissen Grade hat das Spätjudenthum doch dem Evangelium vorgearbeitet. Die Wendungen ״der'Vater im Himme14, ״unser, euer Vater im Himmel4 mögen schon zu Jesu Zeit nicht ganz ungewöhnlieh gewesen sein. Doch wird man auch dieses Urtheil mit Reserve aufstellen müssen4. Oder S. 370: ״Ein tiefes und vielfach auch ehrliches Sündengefühl durchzieht die ganze Zeit. Ein Hungern und Dursten nach Gerechtigkeit fand Jesus in breiten Volkskreisen. Freilich war diese Sünden- und• Bussstimmung vielfach recht äusserlich orientiert4. Und zwanzig Zeilen hinterher heisst es: ״Die Busssfcimmung des Spätjudenthums war nicht nur äusserlich4. Man braucht eich nur die von mir durch den Druck bervorgehobenen Wörter und Sätze anzusehen, um aus der Darstellung den Eindruck eines Eiertanzes zu gewinnen, es charakterisiert sie, was nach S. ”363 ״das Charakteristische für den spätjüdiseben Glauben“ ist: ״die Unausgeglichenheit und Disharmonie der Stimmungen4. Viel, wenn nicht das Meiste trägt dazu derl Umstand bei, dass B. nur das griechisch-jüdische Scbriftthum beherrscht, aber die Kenntniss des rabbinischen aus zweiter Hand sich verschaffen musste. B. spricht immer von צי רע:, ohne Artikel, MonAiitebrift, 47. JAfcrgftog. 4