Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 10)
- Language
- German
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Das Judenthum im neutestamentl. Zeitalter in cliriatl. Darstellung. 47 Holtzmunn (Die jüd. Schriftgelehrsamkeit zur Zeit Jesu), wenn er in Betreff des Vorwurfs der Heuchelei das. 8. 27 sagt: ״Eine ganze Reihe von jedenfalls in ihrer Weise grossen Persönlichkeiten würde diesen Vorwurf widerlegen״. Er schränkt aber die Tragweite dieses Satzes sofort wieder ein, wenn er z. B. von dem älteren Gamaliel sagt, dass Niemand gegen einen solchen Mann den Vorwurf der Heuchelei ״im gewöhnlichen Sinne des Wortes״ erheben konnte. Aehnlich so laviert Iloltzmann auch bei den anderen Vorhaltungen der Eitelkeit• und Habsucht zwischen dem Evangelium und der jüdischen Tradition hindurch. B. dagegen zeigt grössere Entschiedenheit und spricht von einem allgemeineren Gesichtspunkt der Polemik der Evangelien nur bedingte Geltung zu. So sagt er S. 1.1(1 : ״Man darf sich ein Bild von der ethischen Haltung des Pharisäismus doch nicht nur nach der Polemik Jesu gegen ihn machen. Jesus bekämpfe die durchschnittliche Moral des Pharisäismus und seine Grundtendenz. Sein scharfes Wort, dass der Pharisäismus Münze, Dill und Kümmel zehnte, und Recht, Barmherzigkeit und Treue vergesse, hat in dieser Schärfe nicht für alle seine Gültigkeit״. Oder S. 3(>1 : ״Denn freilich steht es nun auch nicht 80, dass der Glaube an die Güte Gottes aus der spätjüdischen Religion elixninirt wäre. Man macht sich liier oft falsche Vorstellungen und sieht das Judenthum zu sehr im Licht der Polemik des neuen Testaments, der Bekämpfung der Auswüchse des Pharisäismus von Seiten Jesu und Pauli. Niemals und nirgends innerhalb der jüdischen Religion«־ geschickte ist 80 viel und 80 oft von der Barmherzigkeit, Güte und Gnade Gottes die Rede, wie in der spätjüdischen Litteratur״. Ferner S. 368 : ״Es wäre auch hier ein Fehler, wenn wir uns die jüdische Frömmigkeit insgesamt in dieser Beziehung etwa nach dem Muster des von Jesus dem Zöllner gegenüber gestellten Pharisäers oder nach der einen Reihe der Aussagen des Paulus (Phil. 3, 6) über seine pharisäische Vergangenheit vorstellig machen wollten. Auch der bussfertige Zöllner gehört schliesslich in den Gesamtumfang der jüd. Frömmigkeit; auch die Stimmung, welche Paulus Rö. 7 so grandios zur Darstellung bringt, ist schon dem Pharisäer Paulus zugänglich gewesen׳״. Das ist doch eine ganz andere Sprache, als wenn Harnack den Evangelien in Bausch und Bogen den Charakter von ״Parteischriften׳״ abspricht und nicht sieht, wie nur der Umstand, dass sie es sind, es zu