Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 9)
- Language
- German
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46 Das Judenthuiu im noutostamoutl. Zeitalter ia christl, Darstellung. Ferner S. 161 : ״Wir mögen über die jüdische Religion urtheilen, wie wir wollen, wir müssen gestehen, dass eine gewaltige Kraft, ein mächtiger Ernst, eine starke Fähigkeit, die Masse zu beherrschen und das alltägliche Leben zu durchdringen, hier gegeben sind. Die jüdische Kirche hat eine Atmosphäre von Religion für das Yolk geschallen, der sich nicht leicht Jemand entziehen konnte. Sie hat dauernde Formen des religiösen Lebens geprägt, die nicht untergegangen sind“. Ich möchte nicht missverstanden werden : ich hebe diese Stellen nicht hervor, weil mich Jüdische Eigenliebe״ (Schürer, Gesell. II, 298, auch in 3. Aufl. 363 beibehalten) dafür einnehmen könnte, aber B. zeigt hier, dass er, obgleich er dem Judenthum nur dauernde vFormen״ verdanken zu müssen glaubt, dennoch einen Blick in die Tiefe der jüdischen Religion gethan, wie er sich nur demjenigen erschliesst. der unvoreingenommen an sie herantritt und mit eigenen Augen zu sehen bestrebt ist. Auf diesem ־Wege drängt sich ihm sogar S. 107 die tiefere Bedeutung des ״Ceremonialgcsetzes״ trotz seiner im TJebrigen herkömmlichen Beurtheiluiig desselben auf. ״Eine unendliche Arbeit, ein trauriges, zweckloses Bemühen, über das man lächeln möchte, wenn man nicht doch wider Willen diese Riesenarbeit reepectieren müsste, die ihre Dauerhaftigkeit an der Existenz der jüdischen Religionsgemeindo durch die Jahrtausende bewährt hat“. Hier war B. nahe daran, einen Blick in das Judenthum der Gegenwart zu werfen, der für ihn sehr aufschlussreich hätte werden können, denn es repräsentiert doch den durch die Jahrtausende bewährten Bestand und stellt die stete Erneuerung der geschichtlichen Erscheinung dar, die den Gegenstand des Buches bildet; immerhin ist hier ein Werthurtheil ausgesprochen, das wenigstens die Absicht der Gerechtigkeit kundgibt. Diese tritt auch in der unbefangenen Würdigung der Evangelien als Instanz für die Beurteilung des gleichzeitigen Judenthums hervor. Harnack S. 14 sagt: ״Die Evangelien sind keine ״Parteischriften״. Aber die häufige Polemik macht sie dazu, denn wodurch sonst wird eine Schrift zur Parteischritt?״ B. bemerkt S. 105: ״Die Bergpredigt ist eine Polemik gegen den Rechtscharakter der jüdischen Religion״. Unter diesem Gesichtspunkt gefasst, verlieren, wie ioh bereits ausgeführt habe, die Vorwürfe der Evangelien gegen die Schriftgelehrten für einen gerechten Beurtheiler nothwendäg an Gewicht. Dies anerkennt auch O.