Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 8)
- Language
- German
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Das Jmlenthum im neutostainontl. Zeitalter in christl, Darstellung. 45 Entstehungsgeschichte dos Christonthums eindringt, dessen Zusammenhang mit dem Judenthurn, man mag sich dagegen sträuben so viel man will, keineswegs ״ein lockerer“ und nicht bloss durch ״unbedeutende Fäden“ vermittelt ist. Der verstorbene Wiener Sprachforscher und Ethnograph Friedrich Müller wurde von einem Studenten wogen einer beabsichtigten Abhandlung, in der er ausführoii wollte, was das Christen thum dem Juden tlnim verdanke, zu Rath ט gezogen, und er antwortete: ״Schreiben Sie: Alles“. Er hat mir das selbst erzählt. Genau dasselbe sagt neuesten» Kurt Breysig, Vergleichende Entw-icklungsgesch. der führenden Völker Europas u. s. w. (Berlin 1900/1 901) I, S. G7S: ״Alles, aber ouch alles, was den Christenglauben hinausliebt über die anderen Religionen, ist jüdischen Ursprungs“. Wenn man nun auch nicht so weit gehen mag, so zieht man doch dem Ohristenthum den Boden unter den Füssen weg, wenn man *einen Zusammenhang mit dem Judonthuin leugnet oder auf ein Minimum redueiert, und man verfährt unerfindlich oder unwissenschaftlich, wenn man, unbekümmert um die lebendige Erscheinung des Judenthums der Gegen wart, das dos neurestamontlichen Zeitalters, und ebenso die Entstehungsgeschickte des Christenthums so zu sagen, auf eigeno Faust sich zurechtlegt. Unter diesem Mangel leidet auch die Dar- Stellung Boussets. II. ״ Dennoch verdient sie, wie ich bereits bemerkt habe, vor allen übrigen anerkannt zu werden. Es zeigt sich hier ein ernstes Streben, den wirklichen Sachverhalt zu ermitteln und zu schildern, das zwar unzulänglicher Mittel sich bedient, aber schon durch sich selbst bewirkt, dass die Darstellung mit wenigen Ausnahmen hergebrachter Vornehmthuoroi auf einen Ton gestimmt ist, wie man ihn bisher nicht gewohnt war. Zuweilen bricht sogar eine gewisse Wärino durch. Z. B. S. 14(5: ״Gestalten wie die Hillels, Gamaliels, Jochanans erfordern unbedingten Iiespect, sie haben trotz aller Absonderlichkeiten etwas Rührendes, ja Imponieren dos*. Odor S. 154: ״Die Heiligung eines Tages in der Woche durch gottesdienstliche Versammlung, das gemeinsame Gebet, das Bekenntnis, die Schriftverlesung, die Predigt, der Segen, wie ist uns das alles vertraut. Wir vergessen nur zu leicht, wem wir diese Formen gottesdienstlichen Lebens verdanken*.