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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 1 · p. Seite 43

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 1
Article
Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
Date
1903-01-01
Page
Seite 43 (sequence 6)
Language
German
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Das Judenthum im noutestaraentl. Zeitalter in christl, Darstellung. 43 der Nachdruck auf die Tugend der Wahrhaftigkeit geleg‘., wird“. Man wäre fast versucht, dagegen einzuwerulon: diese Bemerkung zeugt selbst von Unwahrluiftigkeit, wenn nicht vielmehr Unkenntnis» Vorlage. Schöneres ist gewiss in der gesummten Weltliteratur von der Wahrhaftigkeit nicht ge• sagt worden, als der Ausspruch B. Chanina’8 : ״Das Siegel Gettos ist die Wahrheit“ (Sabb. 55a u. sonst), ln dem Pagenstreit des III. Esrabuches heisst es von der Wahrheit: ״Ihr gehört die Macht und die Herrschaft, und die Gewalt und die Herrlichkeit aller Zeiten. Gepriesen sei der Gott der Wahrheit“ (4, 40). Nach Jtabban Simon b. Gamaliel (Sprüche d. Väter I) i.*t die Wahrhaftigkeit eins von den drei Dingen, ״worauf die Welt besteht“. In dem täglichen Frühgebet des Judenthums findet sich dio Mahnnng, deren Alter sich nicht genau bestimmen lässt, die aber der tra» ditionellen Anschauung entspricht: .,Immer sei der Menseh gottesfürchtig selbst im Geheimen, er bekenne die Wahrheit, und rede Wahrheit in seinem Herzen“. Doch genug dor überflüssigen Nachweise : hier will ich nur auf die Bedenklichkeit von Folgerungen aus polemischen Stellen, wie de_r Roden Josu gegen ״die UnWahrhaftigkeit, die Heuchelei und das Scheinwesen“, die übrigens ebenso strenge im Talmud verurtheilt werden, hingewiesen haben. Nach einem bekannten Worte muss die Tugend da nicht gering im Preise stehen, wo diejenigen, die sie nicht besitzen, sich gedrängt ״fühlen, ihr Kleid zu borgen. Das Vorhandensein von Heuchleru ist deshalb noch nicht das Schlimmste. Schlimmer, als wo man aus Scham heuchelt, ist es da bestellt, wo man sich nicht mehr zu schämen braucht, wo, wie Göthe den Valentin sagen lässt, die Schande auch bei Tage bloss geht. Die Gegenwart ist in der Behandlung der Juden ganz auf diesen Standpunkt an-, oder vielmehr herunter gekommen. Bleiben wir aber bei der Vergangenheit. Wäre es billig, daraus, dass in den jüdischen Moralschriften des Mittelalters das Psalmwort 144 8: ״Deren Mund Falschheit redet, und deren Rechte eine» Lugenrechte“ sehr oft auf die Christen-ungewendet wird, zu folgern, dass Falschheit und Lüge Untugenden des damaligen christlichen Volkes waren? Ebenso unbillig ist es, wenn B, aus den wiederholten polemischen Reden Jesu gegen die Unwahrhafiigkeit u. 8. w. das Recht ableitet, dieselbe eine ״Untugend des jüdischen Volkes“ zu nennen. Ein Blick auf das spätere und gegenwärtige Judenthum würde unstreitig

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