Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 5)
- Language
- German
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42 Das Judenthum im neutestamentl, Zeitaltor in chrißtl, Darstellung. nach Hausraths ״Neutesfcamentlicher Zeitgeschichte״, wenn ß. (a. a. O.) von dem damaligen Juden sagt, dass ״sein Reichthum, die Ueberlegenheit und Scrupellosigkeit im Handel, die der Jude als Orientale mitbrachte״ ,״den Hass und die wilde Leidenschaft des Pöbels״ erregt habe. Warum erscheint hier der Jude mit einemmale ״als Orientale״? j Griechisch oder römisch gedacht ist das nicht. Der Ausdruck Antisemitismus, der den ganzen Orient über einen Kamm scheert, ist doch nur ein Mäntelchen für den Judenhass, den inan nicht eingestohen will. Die Griechen und Körner aber haben bei ihren feindseligen Urtheilen über die Juden nur diese im Augo gehabt und dies auch eingestanden. Es ist also eigentlich eine Fälschung, wenn man ihnen eine Ansicht unterschiebt, die sie nicht hatten, und dieselbe aus Beweggründen ableitet, von denen sie nichts wussten. Auf jeden Fall sind es die Meinungen der Angehörigen eines Volkes über die Angehörigen eines andern, welche in jenen Urtheilen zu Worte kommen. Danach ist ihre Vertrauenswürdigkeit zu bemessen. Es ist also gewiss unbillig, wenn B. S. 115 die Behauptung aufstellt: ״Bei dem Durchschnitt und der Masse dieses Judenthums ist sicher der inhumane Charakter der jüdischen Moral der vorherrschende gewesen״, und dafür ״ein bestimmtes Zeugniss in dein immer einstiinmiger werdenden Urtheil griechischer und römischer Schrift״ steiler über den inhumanen, barbarischen Charakter des Judenvolkes״ findet. Wer würde ״ein bestimmtes Zeugniss״ über den Charakter der Deutschen in den Schilderungen erblicken, die Franzosen oder Chinesen von ihnen entwerfen, oder die selbst Deutsche wie Sebastian Frank oder Schopenhaucr von ihnen gegeben haben? Nicht viel anders verhält es sich mit den polemischen Stellen der Evangelien. Der Polemik gebricht es an Unbefangenheit, ihre ungerechte Taktile besteht darin, die Fehler Einzelner zu verallgemeinern. Das erkennt B., wie wir weiter sehen werden, selbst an. Deshalb ist es ungerecht, wenn er S. 118 auf Grund der Worte Jesu ״die Unwahrhaftigkeit, die Heuchelei, das Scheinwesen״ als eine ״Untugend des jüdischen Volkes״ — welche Tugend wäre bei der Allgemeinheit dieser Untugend noch denkbar? — bezeichnet, wenn er die jüdische Ethik ״des Mangels an Wahrhaftigkeit״ zeiht, und in einer Anmerkung noch hinzufügt: ״Bemerkenswerth ist in der Thafc, wie wenig in den ethischen Schriften und Äeusserungen des Judenthums