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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 1 · p. Seite 40

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 1
Article
Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
Date
1903-01-01
Page
Seite 40 (sequence 3)
Language
German
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40 Das Judenthum im neutfrstanuntl. Zoitalter in christl. Darstellung. furchtbaren Eindruck . macht und noch weniger ״scheue zitternde Angst" hervorruffc, weil er ja unmittelbar darauf als derjenige, der ״in Güte Gnaden erweist״ angesprochen wird,, was B., für den ein einzelnes Wort so viel bedeutet, nicht hätte unerwähnt lassen dürfen. Eine weitere Erkundigung würde aber auch ergeben haben, dass alles, was oben als ״GrundStimmung״ oder als ״Charakter der Frömmigkeit des Spätjudenthums״ bezeichnet ist, also das ״verwirrende Nebeneinander44, die ״tiefe Disharmonie״, die ״tiefste quälendste Unsicherheit״, die ״Resignation״, der ״Mangel an Vertrauen zu sich selbst״, das Empfinden des Glaubens an den lebendigen Gott als einer das Herz bedrückenden ״schweren Last44 in dem heutigen Judenthum nicht existiert. Und sollten die Juden vor neunzehnhundert Jahren anders empfunden haben? Kann überhaupt eine Religion mit so hippokratischem Gesicht sicherhalten? Muss ihr nicht jeder, halbwegs Vernünftige den Rücken kehren? Und doch hat sich das Judenthum behauptet, und zwar unter Schwierig« keiten von so langer Dauer und so ausserordentlicher Natur, dass hiernach auch der jüdischen Ethik ״der heroische Charakter״ ,״der Elan״ und ״der bergeversetzende Muth״ wohl nicht abgesprochen werden kann. Eine Umschau im Judenthuai der Gegenwart ist also für die Beurtheilung des dem neutestamentlichen Zeitalter angehörenden unter allen Umständen rathsam. Wie man vor neunzehnhundert Jahren ״Tephillin gelegt44 hat, kann man beute noch in jüdischen Kreisen erfahren. Es wird damals nicht anders gewesen sein. Wie das Judenthum überhaupt in seinen Grundzügen vor neunsehnhundert Jahren ausgesehen hat, findet man gleichfalls Gelegenheit, in jüdischen Kreisen der Gegenwart zu ermitteln. Es wird damals auch nicht anders gewesen sein. Aber die Quellen! Sie reichen doch hin, um sich daraus über das damalige Judenthum zu informieren! Ich habe eben diese Bemerkungen vorangeschickt, um darzuihun,. dass man bei •der Schilderung des Judenthums im neutestamentlichen Zeitalter immer mehr oder weniger fehlgreifen wird, wenn man sich allein auf das damalige Sohriftthum, sei es nun das rabbinische oder jüdisch-hellenistische, das römisch© und griechische oder das evangelische verlässt, ohne die lebendige Erscheinung des gegenwärtigen Judenthums als verificierende Instanz zu Rathe zu ziehen. An dieser Vernachlässigung leiden alle christlichen Schilderungen des Judenthums in dem er-

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