Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Der hermeneutische Syllogismus in der talmudischen Litteratur
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 8)
- Language
- German
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60 Der hermenentisclie Syllogismus in der talmirdischen Litteratur. wägende Betrachtung der Beschaffenheit von A ־und B, ihre Einordnung gegen einander entscheidet, ist auf dem Boden dieser Theorie selbstverständlich. Die Beispiele, die derYerfasser (Seite 180—184) anführt, lassen ührigens über diesen letzteren Punkt keinen Zweifel übrig. Das Erschdessen des a für B geht also — um alles kurz zusammenzufassen — in folgender Weise vor sich: A hat die Bestimmung a; da X ihm fehlt, welches sich in B findet, muss A in dem Umfang von B liegen; B enthält somit auch a. Der Verfasser war also genöthigt, um seinen Syllogismus herzustellen von A und B als concreten Gegenständen in den Prämissen abzusehen und sie als Species und Genus zu fassen. Die Be- Stimmung a sammt allen wirklichen und virtuellen Bestimmungen von A machen den Specieskreis A aus, wogegen die von B den Genuskreis B. Nun ist allerdings richtig, dass wenn a ein Exemplar der Species A ist, es auch ein Exemplar des A übergeordneten B ist, aber nur des Genus B nicht des Gegenstandes B, für den wir doch das a erpchliessen wollen. Die Erwägung, dass B als Gegenstand und als Genuskreis eigentlich identisch ist, führt nicht zu einer Bestätigung unserer Operation, sondern zu einer vollständigen Bevision derselben. Die Bestimmungen eines Gegenstandes, die doch nichts anderes als die Folgen seiner qualitativen Beschaffenheit vorstellen, können doch unmöglich eine derartige Verselbstständigung erfahren, dass sie ohne weiteres einen Art und Speciesbegriff für sich bilden. Wenn wir aber auch die respectivcn a, b, c . . . von A und B in ein Gattungs- und Artverhältnis bringen können, so ergeben sich doch noch andere Schwierigkeiten. Die Bestimmung a muss, wie wir gesehen haben, als Exemplar der Art A gedacht werden; infolgedessen muss aber auch die Differenzbestimmung X als Exemplar von B angesehen werden. Wie können wir nun aber B auf Grund des Exemplars X den Gattungscharakter A gegenüber zusprechen? Wenn aber X als das genusbildende Merkmal gefasst wird ■— abgesehen davon, dass die Kenntnis der Gattung erst auf die der Species folgt — so muss auch a nls Merkmal angesehen werden. In diesem Palle würde zwar B die Species A enthalten, aber nur soweit B an A participirt. A liegt zwar im Kreise von B, theilt jedoch mit diesem nicht seinen ganzen Inhalt. Es besteht zwischen A und B dasselbe Verhältnis, wie etwa zwischen ״Löwe“ und dem ihm übergeordneten Begriff ״Katze“. Es kann also gerade