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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1902) · p. Seite 45

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1902)
Article
Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
Date
1902-01-01
Page
Seite 45 (sequence 45)
Language
German
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Die neueste Constraction der jüdischen Geschichte. 45 Allein es genügt vollständig zur Charakteristik der Grundlichkeit des Verfassers. Genau genommen ist die Frage für ihn gelöst, ehe er in die Untersuchung eintritt, denn Abraham Ibn Daüd giebt an, dass Eh Jehudai (gest. 763) die Halachot Pesukot, und R. Simon Kahira im Jahre 751, wie umständlich nachgewiesen wird, die Hak Gedolot verfasst hat. Hur hat Ibn Daüd R. Simon die Priorität zuerkannt; da aber Jehudai Gaon war, auch sonst als grosse Autorität verehrt wird, während R, Simon ohne jeden Respect einfach als Com pi lato r genannt wird, ist diese Annahme unmöglich, und es ist das Gegentheil nachzuweisen. Die Jugend der Hai. Gedolot wird nun durch die Thatsache erhärtet, dass sie die Hai. Pesukot überdauerten, denn immer sind die älteren Werke durch die jüngeren verdrängt worden. Der Sachverhalt ist folgender. R. Jehudai war blind — wann er erblindete, ist unserem Autor ganz gleichgiltig — und schrieb deshalb nicht selbst, vielmehr fertigten seine Schüler Ausarbeitungen nach seinem Unterricht an, die einen in Form von Pesakim und nannten sie הלכות פסוקות, die anderen in Form von Responsen, die später den Responsen der Geonim beigegeben wurden, wieder andere nach der Reihenfolge der Materien im Talmud, so etwa wie die Hai. Gedolot. Seine Erläuterungen waren so kurz und so klar, dass sie mit dem Talmud zugleich studiert und schliesslich in ihn eingefügt wurden. Diese grossartige litterarische Thätigkeit regte Jehudai vor seinem Gaonat an, während der kurzen Dauer desselben fand er nicht die nöthige Müsse dazu. Simon aus Kahira war sein Zeitgenosse, er kannte bereits die Aufzeichnungen der 'Schüler Jehudai's, er kannte auch die Scheeltot des R. Achai und arbeitete unter Benutzung derselben um 760 seine Halachot Gedolot aus, die uns ohne Zusätze und Veränderungen überkommen sind* So dachte sich tkatsächlich auch Ibn Daüd das Verhältnis der beiden Werke, nur muss der Text in ihm richtig hergestellt werden, es ist וההלכות גדולות קבצן zu lesen (p, 204). Im Mittelalter standen die Hak Gedolot höher als die Pesukot, weil sie als späteres Werk schon grössere Vollkommenheit besasssen, und weil der Verfasser eben als ein berühmter Gelehrter bekannt war. Die Rabbinen der Schule RaschPs schrieben das Werk Jehudai zu, sie meinten damit aber nur eine auf Schriften Jehudai’s beruhende Compilation.

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