Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 42)
- Language
- German
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42 Di© neueste Construction der •jüdischen Geschichte. Pietät noch von Respecfc zeugt, wenn einem Gaon bei der Uebermifctelung eines ernsten, für die religiöse Unterweisung wichtigen Actes, wie es ein Responsum ist, der 'Gebrauch irreführender, leerer Phrasen zugemufchefc wird. Aber musste nicht dieselbe Entschuldigung, dieselbe bildliche Erklärung auch für die Modernen verwendet werden, wenn der Verfasser nicht von vornherein darauf hinzielen würde, sie als verächtliche Ignoranten und unzuverlässige Geschichtsfälscher zu brandmarken? Seine ganz besondere Wuth erregte die Bezeichnung der Akademie als Senat, als enthielte dieses Bild eine Herab־ Setzung. Die Akademien waren keine gesetzgebenden Körper־ schäften, denn neue Verordnungen wurden in der gaonäisehen Zeit nicht getroffen,' bis auf zwei Eiille, in denen die beiden Geonim sich vereinigten. Ebensowenig hatten die Mitglieder dieser Akademie an der Verwaltung Antheil. Allerdings ergeben־ die Quellen, dass die Responsen ge־ meinschaftlich berathen wurden, aber das war nur ein grossmiithiges Entgegenkommen von Seite der Geonim, ein freiwilliger Verzicht auf die ihnen zustehenden Rechte1); den Inhalt der Responsen bilden Erklärungen des Talmuds oder einfache Angaben der Halachah. — Hier liegt natürlieh eine allzu enge Bedeutung, des Wortes ״Entscheidungw zugrunde. Entscheidungen sind doch nicht nur solche Be- Schlüsse, die dem Talmud widersprechen oder über ihn hinausgehen — wie es bei den beiden Tekanoth trotz Halevy der Fall ist. Vielmehr bot das Leben jeden Tag neue Probleme, für die neue Bestimmungen erforderlich waren, ganz so, wie es auch heute der Fall ist. Durch die Ausbreitung der Araber, die ständige Ausdehnung der Diaspora, die Veränderung der Lebensbedingungen erklärt sich die Hothwendigkeit der Berathungen und Entscheidungen, die Anwendung der talmudischen Bestimmungen auf die neuen Verhältnisse zur Genüge. Ist etwa, um nur eins ף Seite 267 ist genau das Gegentheil von dieser Behauptung zu lesen; danach, bestand die Ueberlegenheit des Gaon in seinem weissen Haar. Seine Vorrechte waren freiwillige Ehrfurchtsbeweise der Metibta. Die Rosche kallah. werden als Geleinte am Hofe des Exilarchen bezeichnet (p. 214), den unwiderleglichen Beweis soll die Reihenfolge der Autoritäten im Gebet [יקום פורק liefern. Aus diesem Gebet, das den Rösch kallah noch vor dem Exilarchen nennt, folgt die Unwichtigkeit der Exilarchen.