Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Die neueste Construction der jüdischen Geschichte. 27 einer Kenntnis der Lehr weise und des Lehrinhalts, aber nicht von Kenntnis des fertigen palästinischen Talmuds in Babylonien gesprochen werden kann, muss auch unser Yerfasser als gewichtigen Ein wand gefühlt haben, er greift darum zu einer nicht weniger gewaltsamen als unrichtigen Auskunft. Er leugnet nämlich für den Talmud von Palästina jede redactionelle Thätigkeit und erklärt mit diesem Mangel dessen Formlosigkeit und Schwierigkeiten; dem Jeruschalmi fehlt jede Redacfcion, ganz in der Form, in der R. Jochanan's Schule ihn studierte, ist er auf uns gekommen. R. Jochananrs Wirksamkeit erstreckte sich 11äm־ lieh bis nach 300, denn noch zur Zeit Rabbah’s lehrte er, da die Brüder dieses Amora ihn einluden, zu dem Meister nach Palästina zu eilen. (Keth, lila). Das ist wieder eine der Entdeckungen, die wir als unbeweisbare Yermuthung entschieden verwerfen müssen. Das Todesjahr R. Jochanan’s galt bisher als das gesichertste Datum der Amoraerzeit; sämmtliche Handschriften des Scherirabriefes haben־ dafür 590 Sei. — 279, und selbst der Fehler bei Asarja de Rossi תקע (Meor En. Cap. XXIY) beruht auf YerWechslung der ähnlichen Buchstaben צ und ע. Dieses Datum stimmt auch mit der beglaubigten Notitz überein, das R. Jochanan als Knabe RabbiJs Schüler war, dass er danach um 200 etwa geboren sein muss. Wollen wir ihm nicht wie das Mittelalter auch 300 und 400 Lebensjahre zuschreiben, dann müssen wir uns schon mit dem Datum bei Scherira zufrieden geben. Dazu kommt, dass nach Scherira R. Jochanan und R. Eleasar in demselben Jahre verschieden, dass E. Ammi und R. Assi, ihre Nachfolger, jedenfalls noch einige Jahre, und nicht gerade die letzten, gleichzeitig mit dem 608 297 verstorbenen R. Huna fungiert haben müssen. — Rabbah hingegen hat nach der übereinstimmenden Angäbe zweier Gegenüberstellungen im Talmud (Rosch ha-Sch. 18 a und Moed 28 a) ein Lebensalter von nur 40 Jahren erreicht und ist nach Scherira 631 Sei. 320 gestorben1). Und den etwa 280 geborenen Rabbah sollen wir zum Schüler des 279 gestorbenen R. Jochanan machen, um damit eine haltlose Hypothese zu stützen! Mit der Behaup- 0 Wie mail auch immer über das Chronologische denken mag (vgl. Graetz IY, Note lg, Weiss III 191 und Bacher, die Agada der babyi. Amor. p. 148). in jedem Falle bleibt die Ansicht des Verfassers ausgeschlossen, vgl. Graetz ]. c. Note 32 und Bacher das. p, 98.