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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1902) · p. Seite 23

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1902)
Article
Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
Date
1902-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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]Die neueste Construction der jüdischen Geschichte. 23 bildet den Kern und zugleich den Triumph des Buches. Damit hat der Standpunkt der neuen Orthodoxie literarischen Ausdruck und wissenschaftliche Fassung erhalten. Andererseits braucht nicht erst gesagt zu werden, dass damit der Begriff einer jüdischen Litteraturin Nichts aufgelöst und die Achtung vor der Geistesarbeit unserer Gelehrten völlig zerstört werden. Ehe wir aber diese grossartigste Errungenschaft der neuen jüdischen Wissenschaft leichthin preisgeben, wollen wir diese Theorie in ihre Bestandteile zerlegen und prüfen, wie die alten, der Ueberlieferung nahen Autoritäten über die einzelnen Elemente derselben dachten. Beginnen wir mit dem Abschluss des Talmud. Wo in aller Welt findet sich auch nur eine einzige alte Autorität, die sich die Redaciion des Talmuds so entstanden dachte wie Herr Halevy? Kein Wort sagt Scherira davon, dass R. Aschi einen solchen abschliessenden gesetzgeberischen Act vornehmen wollte, um damit eine bestimmte Phase der Tradition abzuschliessen; ja R. Aschi ■ist für ihn gar nicht abschliessend, denn noch über siebzig Jahre dauerte, wie oben ausgeführt wurde, die amoräische Lehrrichtung fort, und erst unter Rabina II. erreichte sie ihr Ende. Welches Motiv R. Aschi bei dem Yersueh einer Sammlung und Ordnung des Stoffes der mündlichen Tradition leitete, hat er 3elbst in der Klage über die Gedächtnisschwäche seiner Zeitgenossen1) verrathen, aber keineswegs hatte er irgend welche Inspiration hierfür empfangen. So nennt Scherira ausdrücklich als Motiv der M is chn all - Sammlung unter Rabbi, die Schwierigkeit, das ungeheure Material im .Gedäehtniss zu behalten2); dass dieselbe Auffassung von der noch älteren Autorität Saadja1s gestützt wird, lehrt uns einer der ungeahnten Funde aus dem Schacht der Genisah zu Kairo. Danach war es ausschliesslich die Schwierigkeit des Memorirens, aber nicht ein mystischer Auftrag, die zur Redaction des Talmuds führte3). Samuel ha־Nagid kann R. *) Erubia 53 a vgl. den Text bei Scherira Neub. 24. 2) לב יל ן דחזא רבי דאיכא שינויי. כללי האי . . . . הש דלא נפיש ואתי פסידא מינה דמילתא הואיל והזא דקא ממעט.ליבא וקא מיסתם מעיין החכמה ונסתלקה תורה (ed. Ne ab. p. 8). 3) Saadja, Sepher iia-Galuj: בראות הורינו את ההמון כי נפק בכל הארק ויגורו על ה ה נ א לבלתי השכח ויאספו כל מלה.... ליקרא־ו את.שמם •משנה וישארו דברים . . .. יספנו סור גם נטה וגלינו■ עוד ותהי הנפצת ניפוץ העוללת או פזר הנוקף :וייראו מ ה נ ש ו ת ם ו י י־ ב צ ו פ ג ם ה מ ה ותלמוד קראלם (ed, Schechter, JQR. XIY, 45, 5—15).

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