Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
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22 Die neueste Constructiön der jüdischen Geschichte, einem einzelnen Gelehrten behaupten, er habe den Talmud abgeschlossen, das konnte nur in einer Akademie geschehen, die alle zeitgenössischen Gesetzeskundigen vereinigte, unter Leitung eines von allen ohne Ausnahme anerkannten Oberhauptes. So war es in der That unter ß. Ascbi in Sura, dem sämmtlicfae Lehrer der Zeit sich unterordneten, ja sogar die Gelehrten von Pumbedita waren mit ihm vereint am Abschluss des Talmuds thätig; Die vereinigten Amoräer fanden einen völlig geordneten Talmud bereits vor, der in jedem Geschlecht, immer durch allgemeine Zu- Stimmung der Akademie, neue Elemente erhalten hatte, und fügten diesem nur den Abschluss hinzu, indem sie die vielen Zweifel, die über Erläuterung von Mischnah und Baraita noch bestanden, auf Grund ihrer Ueberlieferung erklärten sowie indem sie die verschiedenen Lesearten feststellten und in dem Gange der Discussion die schliessliche Entscheidung andeuteten (p. 120). Bei diesen Erwägungen nun'über Fest- Setzung der Halachah wurde nicht nur der Babli, sondern auch der Jerus c halmi berücksichtigt, denn dieser lag vollständig, ־wie wir ihn heute noch haben, damals vor. So wie der Talmud aus der Akademie R. Aschi's hervorging, blieb er auch, und in dieser Form wurde er massgebend für alle Zeiten; keine spätere Autorität konnte eine Halachah festsetzen, die dem Talmud widerspricht, wofern nicht eine besondere Abstimmung darüber stattgefunden hat. Darum ist auch jede Veränderung im Talmudtext, jede Interpolation und jeder Textfehle1\ ausgeschlossen; soweit sie vorhanden waren, sind sie stets als solche erkannt worden und auf die Halachah ohne Einfluss geblieben. Diese Theorie, wonach die Tradition im Judenthum stets einheitlich und. constant war, wonach die Späteren in keiner Weise von den früheren Lehrern abweichen, sondern nur näher entwickeln und in Formeln fassen durften1), was bereits die Alten in ihrer grossen Stärke durch Ueberlieferung wussten, ג) Die Reform, der Geonim למיגבי בעל חוב וכתובד! מן יתמי ממטלטלי ־■(Scher. Gdbg. 39) begleitet der Verfasser mit folgender Erklärung, die es verdient der Vergessenheit entrissen zu werden (p. 232): וראלי להעיר שאין הכלנה שעשו תקנה הדשה לעקור דין הקודם כי אם שלפי דין ה גמר א ה י׳ ב י מ ייה־ם ה ד י ן כן לגבות ממטלטלי. Wie abgrundtief stellt doch diese gewaltsame Verdrehung geschichtlicher Wahrheiten unter der aufrichtigen ^und einfachen Erklärung des Gaons R. Mose b. Jak. in שרת ת״ג Nr. 65 Ende.