Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Die neueste Construction der jüdischen Geschichte. 19 Quellen zu prüfen. Angesichts der Quellen aber erblasst sein eigener Ruhm gar sehr. Diese Beleuchtung kann keine einzige seiner ״reuen“ Theorien vertragen. So staunen wir auch diesmal nur so lange, bis wir Scherira zur Hand nehmen. Dort ist zu lesen (vgl. oben p. 12), dass der Exilarch Huna bar Mar Sutra Huna V im Jahre 470 eingekerkert und sogleich hin gerichtet wurde, Demnach kann der 508 gestorbene nur mit Huna VI identisch sein. Demnach rücken sämmt־־ liehe oben erwähnten Ereignisse um 15 Jahre hinauf, und der ganze schöne Pragmatismus ist untergraben. Man beachte ferner, dass der Verfasser, der sonst streng an das ״kanonisierte“ Seder Olam suta glaubt, für die nach dem dortigen Bericht siebenjährige Herrschaft Mar Sutra’s keinen Raum hat. Man wird es ferner nicht begreifen, wrie unter Nuschirvan nach allem, was ־wir von seiner Regierung wissen, so umfassende Verfolgungen, ein bewaffneter. Widerstand und die erkämpfte Unabhängigkeit möglich waren. Ja, da holt sich HerrHalevy hei seinem ״Professor“1) Hilfe. In Weils ״Chalifen“ ist zu lesen, dass das Perserreicb längere Zeit bereits vor seiner Vernichtung vollständig in Auflösung und Selbst- Zerstörung begriffen war; in diese Zeit, in der die Fürsten; einander zerfleischten, fällt Mar Sutra’s Erhebung und Sieg. Abgesehen davon, dass W eil von einer weit späteren Zeit redet, wie wäre in solchem anarchischen Zustand die Hiederläge Mar Sutrars zu erklären? Aber wo wir diese neue Theorie . auch anfassen mögen, überall erweist sie sich als gedankenlose Vermuthung, wie sie auf den ersten Blick auftauchen mag, wie sie aber nach dem vorliegenden Buche in so wichtigen Fragen nie ausgesprochen werden (p. 18) dürfte. Wer Geschichte und nicht Phantasiegebilde sucht, wird zu G-raetz zurückkehren und den Aufstand Mar Sutra's mit der Bewegung Mazdaks in Verbindung bringen. So enthält denn das ganze erste Capitel zwar manche Oase berichtigter Hebenu instände, was es aber an positiven Ansichten bieten will, ist sammt und sonders unbrauchbar, weil der Verfasser von einem unrichtigen Text ansgeht und seine Hypothesen auf falsche Conjecturen begründet. Wie ein solches Verfahren zu beurtheilen ist, ג) Weil wird nie ohne dieses respectvolle Epitheton genannt; für die Koryphäen der Wissenschaft des Judentliums hingegen hat der Ver* fasse!־ nur Hohn und Schimpf übrig.