Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Dia neueste Canstrnction der jüdischen Geschichte, daran geschlossen. Darum stören die Kämpfe Mar Sutra's im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts seine Kreise, er kann sie vor 560, dem angenommenen Todesjahr R. Rabai?s, nicht gebrauchen. Demnach muss die Geschichte daraufhin zugestuzt werden. Das Mittel ist einfach, sobald man es nur zu finden weiss. Der nach Scherira 508 gestorbene Exilarch Huna ist eben nicht Huna b. Kahana, der seinen Schwiegervater misshandelte, sondern dessen Vorgänger und Oheim Huna V1), für Iluna VI. b. Kahana müssen etwa 10—15 Jahre, für den Vorfall mit R. Chanina und seinen Tod etwa das Jahr 523 angesetzt werden. Sein JSTachfolger ist Rab Pachda, bis der nachgeborene Sohn Mar Sutra in fünfzehnten Lebensjahr 538 zum Exilarchen ernannt wird; bis 558, zwanzig Jahre lang, verwaltet dieser sein Amt. Während dieser Zeit war in Sura infolge fortwährender Unruhen kein allgemeines Lehrhaus; nur Einzelakademien wurden gehalteil, und das Haupt einer solchen fiel als Opfer des Glaubenshasses. Daraufhin ergriff Mar Sutra die Waffen; nach anfänglich kleinen Erfolgen erlag er, und mit seinem Grossvater R. Chanina ward er ans Kreuz geschlagen. Dieser Aufstand dehnte die Verfolgungen auch in das bis dahin ruhige Gebiet von Pumbedita aus. Bis 589 konnten auch dort Lehrvorträge nicht gehalten werden, und die Gelehrten beider Akademien zogen sich nach Nehardea zurück. — Das ist eine ganz raffinierte ״neue Construction der Geschichte, welche die Thatsachen in klares Licht rückt, jedem Wort in der Primärquelle zu seinem Rechte verhilft und überdies diese Episode in engen Zusammenhang mit der zeitgenössischen jüdischen- und Weltgeschichte bringt“. Wird eine solche Auffassung nun gar mit der nöthigen Menge verwirrenden Materials vorgetragen, und wird ihre Riehtigkeit unter Kachweis von Widersprüchen und Gesehichtsfälsclmngen auf Seiten der Gegner recht nachdrücklich behauptet, so kann die Meisterschaft dieses neuen Pfad- Anders füglich nicht mehr bestritten werden. Indessen ist Herr Halevy mit seinem Abscheu gegen die moderne Forschung hier völlig im Rechte, Diese bösen Historiker haben nämlich das Uebel. in die Welt gesetzt, dass wir auch dem Gelehrtesten nicht mehr Glauben schenken ohne seine ג) vgl. Lazarus F., Die Häupter der Vertriebenen, Anhang II, p. 171, Kr, 30.