Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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16 Die neueste Cönstruction der jüdischen Geschichte. gleichen. Dabei bedurfte es gar keiner Ausgabe von Seheriras Sendschreiben, jede beliebige hebräische Chronologie, Juchasin z. B., den er doch in Händen hatte, musste den Verfasser belehren, dasss seine These ihre einzige Stütze in einem argen Versehen des Buchdruckers hatte1). Gewahrt man diese unerhörte L e i c.h t f e r t i gkeit, so muss man, wie Herr Halevy treffend bemerkt, ״verwundert darüber staunen, dass solche Dinge gedruckt werden können, die absolut unsinnig und aus der Luft [gegriffen sind, weil der Verfasser meint schreiben zu können, was ihm gerade einfällt, im festen Vertrauen darauf, dass der Leser ihm nicht nachprüft.״ (p. 20). Auf diesem Grundfehler heruhen alle übrigen falschen chronologischen Vermuthungen, so die ganz unmögliche Brklärung der Worte וביומיה סוף הודאה dahin, dass in den Tagen R. 10868י die letzten Vertreter der Horaah starben, dass dessen Geschlecht jedoch schon die erste Generation der Saboräer, bildet und dass dieses den Talmud abgeschlossen hat. Auf diesem Grundfehler beruht die Unterscheidung der verschiedenen Lehrthätigkeit der einzelnen Geschlechter. Nach dem Verfasser sind von vor 475 bis 589 drei verschiedene Arten von Zusätzen zum Talmud geschaffen worden 1) die der jüngeren Zeitgenossen R. Aschffs, die noch zur Horaah gehörten und in die Discussion ein griffen, 2) die der I. Saboräer, die den Talmud nie der schrieben und ihre persönlichen Erläuterungen einfügten, 3) die der Saboräer schlechthin, die nur manches zum besseren Verständnis Erforderliche einflochten. Holen wir uns auch darüber Auskunft bei Scherira. Da wo der Gaon die allmähliche Entwickelung des talmudischen Materials und die Ausbildung des Studiengangs schildert, heisst es abschliessend: וייפום הכי איתוספא הוראה דרא דבתר דרא ער רגינא ובתר רנינא איפסיקא נדהזא שמוא׳ .... ובתר הכי אע״ג תדאי הוראה לא הות ף Erst nachdem ich obige Stelle angemerkt hatte, erhielt ich die Abhandlung Ahr. Epstein’s inBEJ XXXVI., wo dieser gefeierte Gelehrte obigen Fehler 11ervorliebt und gebührend zürückweist (p. 224 ff). Trotzdem habe ich die wiederholte Besprechung dieser Stelle nicht unterdrückt, einmal weiL sie uns hier noch oft beschäftigen wird; und dann weil weder ׳Herr Halevy in dem. inzwischen erschienenen II. Bande noch ein so gründlicher Gelehrter wie Dr. D. Hoffmaan (ZfHB,V, 107} davon Notiz genommen haben.