Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 Die neueste Construction der jüdischen Geschichte. deren nach der allgemeinen Ueberlieferung der Talmud abgeschlossen wurde. R. ( Aschi hatte bereits versucht, den Talmud endgiltig zu redigieren, — aus welchen Gründen wollen wir an der Hand unseres Verfassers später prüfen. Trotz seines hohen Ansehens aber blieb sein Gedanke ein frommer Wunsch. Mehr als zwei Generationen noch dauerte die amoräische Lehrthätigkeit fort. So schwer wurde es den Gelehrten» sich von ihr loszusagen. Wenn es endlich aber doch geschah, 80 werden wir» solange jede Wirkung eine Ursache haben muss, Beweggründe für einen so folgenschweren Schritt aufzusuehen haben. Aus Scherira’s Bericht ergeben sie sich ohne Schwierigkeiten. Die Gelehrten der Metibta waren bereits betagt, wie sie in der That alle in einem Jahrzehnt nach Kabina hinstarben; die Jugend im Gesetz zn unterweisen war durch die Staatsgewalt verboten. Wem daher der Wunsch, die Ueberlieferung zu retten, höher stand ais persönliche Neigungen oder das unzeitgemässe Verbot, Halachisches niederzuschreiben, der musste an eine Redaction und Verschriftung des Talmud geben. Darin ruht die weltges chichtlich e Bedeutung Rabinas» dass er diese rettende That vollbracht hat. Der Talmud ward ,abgeschlossen, es folgten die Saboräer. Die politischen Ereignisse aus ihrer Zeit sind durch Graetz mit bewundernswertem Geschick in ihrer Wirkung auf die Lage der Juden erkannt worden. Da ist zunächst die Bewegung Mazdaks, 499, die alle Verhältnisse umkehrte, die Sicherheit des Lebens und des Eigenthuins vernichtete, dann der Fanatismus Kobads, der zum Schaden seines eigenen Reiches den Umstürzlern Vorschub leistete. So dauern die Unruhen fort, bis 5B1 Nuschirvan, der weise und gerechte König, ihnen ein Ende macht. Allein in Hormuz IV kommt 579 wiederum ein Fanatiker zur Regierung, der von neuem den Vernichtungskampf gegen die Ungläubigen aufuimmt, bis 589 der Aufstand Bahrams die Juden als werthvolle Bundesgenossen erscheinen lässt, und ihnen Sicherung des Lebens und der Lehre einträgt. Mit dem Steigen und Fällen der Toleranz im Perserreiche treffen Dulduiig oder Verfolgung des Gesetzesstudiums zusammen. Unter Kobäd war die Lehrthätigkeit gestört, unter Nuschirvan haben sie R. Ina und R. Simuna 540—50 wieder aufgenommen, R. Rabai fortgesetzt, bis diese letzten Nachzügler des Saboräerkreises oder seine Schule unter Hormuz genöthigt waren,