Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die neueste Construction der Jüdischen Geschichte. 9 sobald er aus den vier Ellen der Halachah herausfcritt, ganz von der modernen Schule abhängig י die Anleitung zu methodologischenErklärungen und znrErörterung vonEinleitungsfragen haben ihm zuerst und fast ausschliesslich die "Werke von ßapoport und Frankel gegeben. Allein ein Wort der Anerkennung sucht man in dem ganzen Buche vergebens. Alles Richtige erscheint als nagelneue Erfindung des Verfassers, der hingegen nach Xrrthümern oder Versehen seiner Vorgänger ausspäht, um ihnen in den Rücken zu fallen, ja Autoren, denen er selbst vieles entnommen, nur dann nennt, wo er sie in. heftigen Ausdrücken angreifen kann. Zur Entschuldigung des Verfassers muss angenommen werden, dass er nicht nur über seine Aufgabe, sondern auch über das, was er thatsächlich schrieb, sich nie klar geworden ist. Wie wäre es sonst zu erklären, dass in einem Buche voll von Polemik plötzlich der Satz auftaucht ואין דידינו בקורת לדברי זולתנו (p. 241')? Wie ist die Erklärung zu begreifen, dass er die Leser nicht verwirren und ermüden wolle (p. 56), während er durch seine Widerlegungen und durch die Erörterung nicht zum Gegenstand gehöriger Fragen fortwährend von seinem Thema abschweift § Das zeigt deutlich eine Analyse des Inhalts. Das Buch zerfällt in zwei grosse Abschnitte: I. Abschluss des Talmud und die Saboräer, II. die Geonim. Der erste Abschnitt hat zwei Capitel,. deren erstes wie der Haupttitel überschrieben ist, während das zweite, mit grosser historischer Präeision, von den Zeitgenossen R. Aschi’s und dem Verhältnis des Babli zum Jeruschalmi handelt. Jedes Capitel zerfällt" in einzelne Paragraphen. Es verlohnte einen dieser Perakim zu analysieren, um die Confusion in der Darstellung zu zeigen, wie der Verfasser von einer These ausgeht, die entgegenstehende Ansicht von Graetz oder Weiss citiert und widerlegt, zu diesem Zwecke eine Stelle in den Tossafot heranzieht, diese mit anderen Talmndstellen bekämpft, schliesslich in einem weiteren Autor noch eine falsche Ansicht findet, die hineingehören könnte, nnd sich auch gegen diese wendet u. s. w. Fügen wir noch hinzu, dass der Stil des ganzen Buches würdig ist. Ein so barbarisches Hebräisch ist man seit , hundert Jahren nicht mehr gewöhnt, am allerwenigsten bei einem Autor, der doch als ein moderner Gelehrter gelten möchte.