Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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3 pie neueste Construction der jüdischen Geschichte. eine Geschichte als beabsichtigt vermuthen> Allein wo bleibt denn da die Darstellun g der Lage der Juden unter persisehen und byzantinischen Fürsten sowie unter den Kalifen, die der Entstehung des Karäerthnms, die Ausdehnung dei* Diaspora etc. etc.? Der deutsche Titel freiLich nennt das Buch eine ״ G־ e s c h i c h t e der jü dischen Litteratur! “ Ferner vermissen wir eine Erörterung über das Wesen des Talmud und der kleinen Tractate, über die Entstehung der Midraschim, Pijjutim der Massorah und Targumim, über die litterarische Bedeutung der gaonäischen Responsen und viele andere Dinge. Trotz der vielen Seiten, die davon handeln, hat der Verfasser über das W esen der Halachot Gedolot und über den C h arak te r der Scheeltot nicht gesprochen* Ein Nachwort freilich vertröstet für תורתן של ראשונים auf einen folgenden Band; da der Verfasser aber Gelegenheit gefunden, den - Aruch des Gaon Zemach b. Paltoi (871—880, vgl. p. 282) zu erwähnen, scheint er seine Aufgabe bis dahin als abgeschlossen zu betrachten, ohne die ungeheuren Lücken in seiner Darstellung gewahr zu werden. Der müsste wahrlich ein Meister genannt werden, der aus diesem Buche Geschichte der Juden oder ihrer Litteratur lernen könnte. Es giebt kaum ein einziges .Capitel, das eine glatte Darstellung und klare Auseinander- Setzung bietetdas ganze Buch ist nichts als eine fortdauernde Polemik gegen Alte und Moderne, und wo der Verfasser nichts zu widersprechen fand, da hatte er auch absolut nichts zu sagen. Der Verfasser hat bei einer Lectüre des Graetz’schen oder Weiss - sehen Geschichtswerkes wohl einige Fehler oder Widersprüche entdeckt, wie sie keinem aufmerksamen Leser entgehen, und sich darum für den berufenen Darsteller der Geschichte auf neuer Grundlage gehalten. Das Material für eine so gewaltige Aufgabe aber hat er nie b esessen und nie beherrscht, darum tappt er im Finsteren herum und weiss vielfach noch nicht, was ihm die Quellen schon für das nächste Capitel bringen werden; klar ist ihm nur das Eine, dass er widerspr e ch en muss, Streitsucht hat das Buch geboren, und blinder Hass gegen alles Moderne im Judenthum hat es grossgezogen. Sein gesammtes historisches Wissen und die Hinweise auf externe Litteratur verdankt der Verfasser nicht seinem an Bildungsmitteln armen Heimatlande (vgl. Einl.), sondern, den so verächtlich genannten חוקרי אשכנז, insbesondere^ Graetz. Aberweiter, selbst auf talmudischem Gebiete ist er.