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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1902) · p. Seite 7

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1902)
Article
Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
Date
1902-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Die neueste Construction der jüdischen Geschichte. 7 * Wer nun freilich glaubt, dass unser Autor bei seinen allgemeinen Grundsätzen consequenfc beharrt, befindet sich in einer argen Täuschung. Kegeln kritischer Forschung liest man häufig in dem Buche, man könnte ihm sogar eine brauchbare Methodik entnehmen, der nur hinzugefügt werden müsste, dass der Verfasser seine eigenen guten Regeln ni e befolgt hat. Wo Herr Halevy will, da kann er auch recht kritisch verfahren, er kann gelegentlich über Würdenträger selbst der alten Zeit ein hartes Wort sprechen. Er weiss wohl, ״dass Scherira die Exilarchen nicht schätzte״ (p. 42), dass ״sie ein gewaltthätiges und willkürliches Regiment auch zum Schaden der Metibta führten״ (p. 270). Er ist trotz aller Deutelei genöthigt, auch einmal einen thatsäehlichen Conflict unter den Gelehrten der Metibta anzuerkennen (p. 276 ff). Auch die Litteratur, selbst die überlieferte, wird gelegentlich kritisch behandelt; der Verfasser ändert im Talmud, in den Tossafot u. a., wo er es nöthig findet, den Text, verwirft wohl auch ganze Talmudstellen, und zwar nicht nur solche haggadischen Inhalts, sondern erkennt Schreibfehler auch in halachisch wichtigen Stellen an. Höchst bedenklieh in ihren Consequenzen ist auch die Annahme, dass Ab- Schreiber willkürlich mit den überlieferten Texten verfuhren, da wir dann über die volle Gültigkeit einer daraus abgeleiteten Halachah immer im Zweifel bleiben. Auch von dem ״recipierten״ S. Olam suta behauptet er ein anderes Mal ohne Bedenken, dass alle Hamen darin falsch sind (p.42); das Bostanaibüchlein1) und der Bericht des Hathan ha-Babli, die nicht recht in seine Gescbichtsdarstellung sich einfügen wollen, werden als apokryph verworfen, und jede Glaubwürdigkeit wird diesen Schriften aus altehrwürdiger Zeit abgesprochen. Wie erklären sich solche Widersprüche, die, um ein Wort unseres Verfassers zu gebrauchen (p. 188), nur bei solchen Schriftstellern Vorkommen dürfen, ״die auf die Einfalt und die Schläfrigkeit ihrer Leser rechnen״? Indessen dieses Spielen mit Principien der Orthodoxie ist nicht das einzig Widerspruchsvolle an dem Buche, Hat sich denn der Verfasser je klar gemacht, was er mit seinem Werke bezweckte? Der hebräische Titel kündigt eine Geschichte der Juden an, und beachtet man den grossen Raum, den die Chronologie in dem Buche einnimmt, so muss man wohl 1)׳Vgldarüber jetzt Jew. Q. R. XIV, p. 242 ff.

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