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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1902) · p. Seite 6

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1902)
Article
Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
Date
1902-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Die neueste Construction der jüdischen Geschichte. lieber liefern n g beruht, und dass dessen Träger demnach mehr oder minder inspiriert sind. Wie wenig beweisbar diese Behauptung ist, wird unten besprochen werden; hier soll nur hervorgehoben werden, welche Bedeutung dieser Grundirrthum für die Methode in sich schliesst. Der unklare Begriff der Ueberlieferung ersetzt Herrn Halevy die weit schwierigere Arbeit historischer Erklärung, des Aufsuchens der Ztxsammenhänge. Durch U e b er li efe r ung wussten die Amoräer in Palästina ihre Entscheidungen zu treffen, und diese Ueberlieferung wurde nie unterbrochen, wenn auch das Talmudstudium dort später nicht mehr auf der alten Höhe stand.1) Nur durch Ueberlieferung wissen wir, dass ß. Aschi der Ordner und Sammler des babylonischen Talmuds ist, ohne diese hätten alle Beweise dafür keinen Wert. Für den Talmud von Palästina existiert eine bezügliche Ueberlieferung nicht, und darum ist es. widersinnig, einen Redactor für dieses Werk zu suchen. Dass der ganze Talmud auf Ueb erlieferuD g beruht, ist selbstredend,und die dort erhaltene einheitliche Ueberlieferung ist nie verändert worden, Zusätze und Yarianten zu seinem Texte hat es n i e gegeben, und Abweichungen von seinen Entscheidungen sind nur denkbar, wenn eine nach der Ueberlieferung dazu berechtigte Behörde einen ausdrücklichen Beschluss gefasst hat. — Der Begriff der Ueberlieferungslitteratur geht ebenfalls sehr weit; die Talmudcommentare B. Gerschon’s u. R. CJhananeFs waren ״re cipiert“, R. Chananel ist stets ein Sprachrohr der Ueberlieferung. Selbst das Seder Olam suta ist seinem Schicksal nicht entgangen, als kanonisiertes Büchlein erklärt zu werden (p. 170)! Eine lächerlichere Behauptung ist nicht leicht, aufgestellt worden. Es bleibt nur rätselhaft, warum der Yerfasser über die alten Historiker den Stab bricht, da sein Dogmatismus ihn zu Anschauungen verleitet, die der gesunde Sinn der Alten nie zugelassen hätte. Er nennt die Gegenwart eine Zeit der vervollkommneten Forschung, eine Blütheperiode der Wissenschaften; ja aber dazu ist die Gegenwart geworden, weil unser Wirklichkeitssinn grösser ist, und wir uns bei den Resultaten fremder Forschung nicht mehr begnügen, weil unsere Methode derjenigen des Herrn Halevy gerade entgegengesetzt ist. 1j Von der älteren Zeit heisst es p. 27: כי אם פסל,ו בכתם הגדול ומידיעת בעל פה על פי קבלתם* Diese ״Stärke“ bildet ein Seitenstück zur ״Schwäche der Welt“, die ihren Einfluss auf das Thorastudium geltend macht, bei Hoffmann, Die erste Mischna, p. 14.

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