Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Die neueste Coiistruction der jüdischen Geschichte. 5 Prätendenten eine Würde an. oder traten an die Stelle eines abgesetzten Collegen. Aber wer sieht nicht, dass das alles nur harmlose Vorgänge sind! Das heisst mit Worten streiten, an den Thatsachen wird durch solche Deuteleien nichts geändert. Das Unheil über den Charakter überträgt der Verf. naturgemäss auch auf die L eh rin ei nun gen der Alten. Es ist ganz richtig, wenn der Verfasser z. B. sagt, die Geonim, Bischonim etc. schreiben nicht oberflächlich, allein es ist eben so richtig, dass das gesammte Mittelalter keinen ausgeprägten, historischen Sinn hatte, und darum hat die moderne Forschung ,viele seiner Ansichten aufgeben müssen. Wer aber sich dazu verleiten lässt, in der Geschichte einen thatsächlichen Grund für Aeusserungen zu suchen, die historisch unhaltbar sind, verfällt in die Weise des Pilpul. Das ist ganz die Methode des Herrn Halevy. Die Ansicht der Tosafisten erscheint ,ihm falsch, und doch sucht er eine Seite lang daran zu deuteln, weil er nicht den Muth hat, seiner persönlichen Ueberzeugung den Vorzug zu geben (p. 65)* alte Autoritäten hatten für ihre Anschauung einen anderen Text zu gründe liegen, aber es muss auch nach unserer Auffassung ein Sinn in sie hineingepresst werden (p, 93). Ein Brauch in Babylonien gilt als genügend belegt, wenn Baschi eine Vermuthung darüber ausgesprochen hat (p. 140). — Saadja soll dem Karäer Salmon b. Jeruchäm gegenüber einen klaren Bericht des paläst. Talmuds abgeleugnet haben; in der karäisdhen Littcratur ist nun freilich so vieles gefälscht, dass es nicht gerade unerhört wäre, wenn der Verfasser auch diese Stelle für gefälscht erklären würde. Sollte der Bericht aber dennoch richtig sein, so ist unser Verfasser deshalb um die Erklärung noch immer nicht in Verlegenheit. Nicht etwa, dass Saadja irn Feuer apologetischen Eifers gehandelt hätte, nein, er muss gute Gründe für sein Verhalten dazu gehabt haben, die uns nur nicht mehr bekannt sind : אלא הכחיש בלל אכל פירש שם מה שפירש ופירושו לא ידענו ואם הדבר אמר" בודאי דבר גדול דבר הנביא אלא שלא זכינו .לדבריו Alle diese erstaunlichen Behauptungen gehen von der verkehrten Grundansehauungaus, dass unser gesammtes Schriftthum, wenigstens soweit es halachisch anerkannt ist, auf