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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1902) · p. Seite 4

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1902)
Article
Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
Date
1902-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Die neueste Construction der jüdischen Geschichte, Dass dieser Respect, durch die Jahrhunderte folgerichtig gesteigert, für die alten Autoritäten überhaupt keinen Massstab mehr findet, braucht danach nicht gesagt zu werden. ״Wer will Grössen in Israel wie R. Scherira und R. Hai mit unseren Maassen messen!“ ruft Herr Halevy pathetisch aus (p. 151)1). Ja, unsere Gelehrten sind allerdings Muster von erprobter Tugend und makellosem Charakter, allein so lange es Menschen giebt, sind sie auch mit menschlichen Schwächen und menschlichen Leidenschaften behaftet. Die Species ״Mensch“ bat sich nicht verändert, einzelne durch Tugenden besonders ausgezeichnete Menschen giebt es heute und bat es zu allen Zeiteu gegeben. So wir darauf verzichten, die Menschen der Vergangenheit als Gebilde von Fleisch und Blut anzusehen und ihre Handlungen von menschlichem Gesichtspunkte aus zu betrachten, verlassen wir den Boden der Geschichte. Auf Engel dürfen wir wohl Hymnen und Lobgesänge anstimmen, allein über die geschichtliche Betrachtung sind sie erhaben.!Tun’sind freilich, die Alten den Engeln gleich, so wir uns selbst den Wert von Menschen zuschreiben. So steht es im Talmud. Ob dieser Satz aber wörtlich zu nehmen ist, erscheint mehr als fraglich. Doch wäre es auch so, dann würde ein solcher Grundsatz der Bescheidenheit und Demuth unseren Alten alle Ehre machen, allein ihn zum Masstab ״kritischer“ Forschung zu nehmen, bleibt doch eine grosse Verkehrtheit. Zu welchen ungeheuerlichen Consequenzen das führt, zeigt unser Buch deutlich. Da Halevy's Charaktere keineswegs mit Mängeln behaftet sein dürfen, kann z. B. unter den Gelehrten der babylonischen Akademien nie ein Rivalitätsstreit oder Conflict bei der Besetzung des Gaonats vorgekommen sein (p. 260 ff.)♦ Darum dürfen selbst zwei Exilarchen nie einander bekämpft haben (231) und nie gewalttätige Eingriffe in die Angelegenheiten der Akademieen sich gestattet haben. Seherira freilich berichtet über all diese Punkte das Gegenteil, aber das haben nur die oberflächlichen ״deutschen Forscher“ herausgelesen, die gewöhnt sind, ״die Quellen zu entstellen, das Böse gut und das Gute böse zu nennen“. Herr Halevy kennt jene Vorgänge besser ן die Gelehrten wollten nur nicht immer sich unterordnen, zogen sich schmollend zurück, wunderten villeicht auch aus; nahmen einmal von einem ג) Das Buch hat reefco hebr. Blatt- und verso arab. Seiten-Paginierung; ich. citiere der Einfachheit halber stets nach der letzteren.

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