Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1902)
- Article
- Die neueste Construction der jüdischen Geschichte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die neueste Construction der jüdischen Geschichte. 3 Ausnahmen in dem ganzen Buche auch nicht ein einzig e s C i t a t ohne jede Abweichung mit dem Original übereinstimmt, wie aber gar häufig wichtige Quellen geradezu bis zur Unkenntlichkeit entstellt sind — ich zähle mindestens 12 falsche Ci täte so aus dem Seherirabriefe — nur wird der sachverständige Leser wohl beurtheilen können, welche Förderung wir von dem Yerfasser auf den vorliegen- ■den G־ebieten zu erwarten haben, auf denen die exacte und vorsichtige Benutzung der Quellen alles bedeutet. Geradezu ein Hohn ist es aber, wenn schon die Einleitung verkündet, dass der Verfasser die Quellen nicht nach seinem Wunsche ״entstellt״ hat, und wenn er, der die Quellen gar nicht zu lesen versteht, damit implicite seinen Vorgäugern den Vorwurf der Verdrehung der Quellen macht. Die moderne Wissenschaft bedingt ferner Voraus- •sefczungslosigkeit der Forschung. Der alten Methode galt eine Frage bereits als gelöst, wenn die Aeusserung einer anerkannten Autorität der Vergangenheit darüber vorlag, deren Gewicht mit der Zunahme der Jahrhunderte immer mehr wuchs. Die neue Methode giebt den unpersönlichen Quellen den Vorzug vor den persönlichen und sucht ihre Thesen durch objective Thatsachen, nicht durch subjective Ueberlieferung allein zu beweisen. Wer wie Herr Halevy die Jugeud der Geschichte als Wissenschaft anerkennt, von dem muss füglich erwartet werden, dass er die Methode der historischen Versuche vergangener Zeiten verwirft und auf dem Boden moderner Forschung steht. Umso unangenehmer werden wir enttäuscht, wenn wir das Buch auf diesen Punkt hin prüfen, Je jünger eine Autorität ist, je näher sie unserer Zeit steht, desto weniger Respect geniesst sie, je älter sie ist, mit desto grösserer Ehrfurcht wird sie genannt. Auch der Wissenszweig, in dem ein Autor sich auszeichnete, wird für seinen Werth massgebend; Verdienste um die Geschichte wiegen bei weitem nicht solche um die Halachah auf. In diesem Buch scheint auch das Land de r Geburt für die Beurtheilung von Gelehrten mitzusprechen; es ist beinahe ein Verbrechen aus Deutschland zu stammen, man steigt im Werthe, wenn man in einem östlicheren Lande zu Hause ist. Achtung vor der Geistesarbeit moderner Gelehrten vermissen wir in dem Buche vollkommen, Rapoport und Frankel werden in rücksichtsloser Weise angegriffen, Graetz und VV eiss sogar wie Schulknaben abgekanzelt. 1•