Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Charakteristik des Levi ben Abraham ben Chajjim
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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so Zur Charakteristik des Levi ben Abraham ben Chajjim. Was die äussere Form seiner Darlegungen anlangt, so sei bemerkt, dass, mit Ausnahme des Kapitels über die Schöpfung, das philosophische Raisonnement. vom exegetischen stark zurückgedrängt wird. Jedes Kapitel pflegt mit der Feststellung zu beginnen, dass die, zunächst als bewiesen angenommene, philosophische Annahme sich aus der schriftlichen und mündliehen Lehre ableiten lasse. Zum Schluss hinkt dann eine kurze philosophische Demonstration nach. Mit Rücksicht auf die beigegebenen Texte habe ich in der äusseren Anordnung mich der Reihenfolge des Werkes angeschlossen. Der Gottesbegriff. Maimonides sucht, ehe er seinen ״Führer“ an die Gottesbeweise schreiten lässt, zunächst einen klaren, dialektisch unanfechtbaren Gottesbegriff zu gewinnen. Vor■ allem muss die Frage beantwortet sein, wie wir uns den Gott, falls er existirt, zu denken haben, dann erst kann seine Realität geprüft werden. Es liegt im Wesen der Scholastik, dass ihr die innere Wahr־־ heit eines Begriffes seine Wirklichkeit zum mindesten sehr wahrscheinlich macht. Die logische Unanfechtbarkeit bildet die sicherste Grundlage für die metaphysische Unangreifbarkeit. Maimonides folgt nur dem Ideengange der mittelalterlichen Philosophie, wenn er zuerst die essentia der Gottesidee klarstellt und hierauf erst die Gründe für ihre existentia entwickelt. Den Leitfäden für diese grundlegende Untersuchung giebt die Attributenlehre; sie führt uns zu einer in sich Widerspruchslosen Vorstellung von der Gottheit. Aber daneben oder richtiger eben dadurch leistet sie noch ein anderes, sie stellt der dogmatischen Philosophie die Grenzen fest, bis zu denen sich die Möglichkeit, Gott zu erkennen, erstreckt. Ist festgestellt, wie weit sich mit dem Wesen der Gottheit Attribute vertragen, so ist damit zugleich auch festgestellt, wie viel wir von Gott aussagen dürfen. Also nicht im Wesen des menschlichen Ver- Standes, sondern im Wesen der Gottesidee liegt das Kriterium für die Möglichkeit transcendenter Erkenntnisse; die Lehre von den göttlichen Eigenschaften ist die Kritik der reinen Vernunft, ein Gedanke, den die jüdische Religionsphilosophie in der Theophanie Exod. 33,18f. ausgedrückt fand. Dieser Methode seines Meisters folgt R.L.b.A., aber nur nach der Seite der rein äusserlichen Anordnung. Er bemerkt zwar auch, dass wir zu den meisten Erkenntnissen über Gott auf dem Wege der Negation gelangen; und was er gegen die Zu-