Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Charakteristik des Levi ben Abraham ben Chajjim
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 5)
- Language
- German
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28 Zur Charakteristik des Levi ben Abraham bon Chajjim. ganze Wissensgebiet in Form von Encyclopädieen1) zu behandeln. Die Popularphilosophie ist stets encyclopädisch. In den Kreis dieser Männer gehört Levi ben Abraham ben Chajjim. Er ist einer jener leidendenHelden der Literaturgeschichte, denen ein Martyrium grösseren Ruf verschafft hat, als es ihrer Bedeutung entspricht. Er bietet Interesse nicht so sehr •als Mann eigener Art, wie vielmehr bloss als Mann seiner Zeit. Er ist nicht geringer als seine Zeitgenossen, die am Werke der Philosophie mitarbeiteten, aber überragt sie auch keines־־ wegs. Seine Allegoristik, um derentwillen er bei manchen Historikern als berüchtigt gilt, ist gemässigt, weit gemässigter z. B. als die des Jakob Anatoli. Seine Ratio 11 alisirung biblischer Wunder, um derentwillen er verketzert wurde, ist im grossen und ganzen unschuldig und geht in nichts über das damals gewohnte Maass hinaus. Es hat den Anschein, als habe sich die Orthodoxie grade gegen ihn nur deshalb gewandt, weil sie ihm gegenüber, da er ohne Macht, Besitz und Einfluss war, manches wagen zu können meinte, was sie gegen Hochgestellte nicht hätte versuchen dürfen. Von biographischem und bibliographischem Standpunkte aus ist sein Wirken und Leiden in trefflicher Weise dargestellt worden2 3); über seine Stellung in der Geschichte der Philosophie ist noch nichts Genaueres gesagt. Im folgenden soll der Versuch gemacht werden, einige seiner Ideen auf ihre Elemente analytisch zurückzuführen 8). Das Resultat, das hier bereits kurz angeführt werden mag, ist folgendes. Levi ist in seinen philosophischen Anschauungen, ihrer Grundlage nach, Maimunist4 *). Maimuni ist ihm der Lehrer schlechthin הרב; das rationalistische Princip desselben, Fragen des x) Es sei hingewiesen auf die .דעות הפלוסופים des Schemtob Falaquera (s. Steinschneider: hebr. Uebcrs. I, 5) den מדרש החכמה des Jchuda ben Salomo ibn Mathka (ibid. I, lf), clen שער שמים des Gcrson ben Salomo (ibid. 1,9f), die שבילי אמונה des Meir Aldabi (ibid. 1,16). 2) S. Neubauer-Renan i-11 Hist. lit. de la France XXVII, 628 ff u. 746, sowie Steinschneider in Ersch u. Gruber II, t. 43,p. 294f. Der von Bacher in ״jüd. Litt., ed. Wintern. Wünscheu p.338 angeführte Artikel imhe-Chaluz II, 18 ff ist nicht von Schon־, sondern v. Geiger. 3) Der hier zunächst vorgelegte Th eil behandelt das zweite Buch des sechsten Tractatcs des לוית חן, welches סתרי האמונה betitelt ist. Er bcruht auf Abschriften aus dem Münchener Ms. des genannten YI. Traktats. 4) Siehe p. 31. 33. 36, etc, dieses Aufsatzes. Dagegen Polemik gegen Maimunische Exeg. s. p. 32, 33, 34, etc. dieses Aufsatzes.