Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Charakteristik des Levi ben Abraham ben Chajjim
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 3)
- Language
- German
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26 Zur Charakteristik des Levi ben Abraham ben Chajjim. Wege über die Kirchenväter in die Synagoge eingedrun genen Philo*) “ zu Hülfe zu rufen. Wir stehen vor einer Erscheinung, die sich aus vorhandenen Elementen nothwendig ergeben musste, und die in der That auchbei gleichen Ursachen stets hervorgetreten ist. Immer, wenn der Versuch gemacht wurde, einen neuen Glauben mit dem alten zu versöhnen, zeigte sie sich. Schon die alten Stoiker suchten und fanden den cpoatxoc Xo׳yos in Mythen, indem sie ihnen ihr System der Theologie unterlegten, um es dann als neu gefundenen Schatz wieder hervorzuholen. . Von Kleanthes und Chrysippus wurde die allegorische Auslegung von That- Sachen der Mythologie und die typologische Umdeutung von Gestalten der Volksreligion in weitestem Umfange angewendet. Was die Methode anlangt, so ist von keinem Späteren etwas Weiteres herzugetragen worden. Durch eines freilich hatten jüdische, und auch christliche, Allegoristen etwas vor den Griechen voraus. Diese konnten nur mythologische Erzählungen, im besten Fall einen Gottesnamen hnterpretiren; die Jünger der Bibel hatten ein heiliges Buch mit genau bestimmtem Wortlaut, an dem sie ihre Kunst üben durften. Nur eine Grenze gab es hier für die jüdischen Exegeten, die‘ Thatsache der Gebote; vor ihr machte man Halt und man war sich auch bewusst, hierdurch im Gegensatz zum Christenthum zu stehen* 2). Selbst alle die Zahlenspielereien, die sich, häufig bei späteren Kationalisten, und in gewissen Grenzen schon bei Maimurii finden3), erklären sich aus inneren Gründen. Der Gedanke, Gruppen von Dingen oder Erscheinungen deshalb zu einander in Beziehung zu bringen, weil sie in gleichem Zahlen- Verhältniss Vorkommen, lag so nahe, dass er sich aufdrängen musste. Schon der Midrasch bietet mannigfache Beispiele hierfür. Man hat für diese allegorisirende, rationalistische Kichtung im Judenthum des Mittelalters meist nur tadelnde Worte gefanden; aber mit Unrecht. Sie war für die damalige Zeit eine NothwencLigkeit und ein nicht, zu unterschätzendes Glück. Nurdurch x) Kaufmann: ״Simon ben Joseph’s Sendschreiben״ in ״Jubelschr. zum 90. Geb. Zunzens“, p. 145. 2) Yergl. hierüber Bacher: a. a. 0. p. 16, n. 4 und p. 174, n. 4. Ich weise ausserdem hin auf ISFissim von Marseille im he-Chaluz VII, 108 — Ueber die Berührungen zwischen jüdischer und christlicher Allegoristik vergl. Kaufmann’s. erw. Abh.; Güdemann: Gesch. des Erz.-Wes. I, 37 ff I, 163 f, II, 117 u. Bacher in ״Jüd. Litteratur“ II, 293 ff. ף S. z. B. More II, 10.