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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 1 · p. Seite 6

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 1
Article
Verbotene Thargumim
Date
1900-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Verbotene Thargumim. Rede, und ebensowenig braucht man mit Rappoport die aramaischen Worte in der Mischnah zu streichen. Den Beweggrund aber für die Entstehung dieses Ausspruches der Mischnah haben wir sicherlich darin zu suchen, dass man willkürliche Auslegungen der Thora bei öffentlicher Vorlesung so viel als möglich verhindern wollte, denn es lag die Gefahr nahe, dass hierdurch der wahre Sinn derselben immer mehr verwischt werden und schliesslich ganz in Vergessenheit gerathen könnte, umsomehr, als schon die Haggadisten sehr stark von dem einfachen Wortsinne abwichen. Ein Beispiel hierfür haben wir gerade für unsere Stelle in dem Ausspruche R. Ismaels (babli Meg. 25 a), der vollständig mit der von der Mischnah verpönten Auffassung übereinstimmt. Die Mischnah polemisirt jedoch nicht gegen diese Auffassung selbst, wie noch Geiger meint, sondern nur gegen das öffentliche Vortragen derselben. So erklärt sich auch die Erhaltung dieser Uebersetzung im Pseudo-Jonathan, jenem Thargum, das ja speciell für den Privatgebrauch bestimmt war, wie ich bereits an anderer Stelle gezeigt habe. (Vgl. mein Fragmententhargum pag. XV1). Auch der Ausdruck האומר ist nunmehr vollkommen berechtigt, denn hätte die Mischnah gesagt להמתרגם so würde man darunter nothgedrungen verstanden haben: wer übersetzt, d. 11. wo auch immer, was jedoch nicht beabsichtigt war; האומר dagegen heisst ganz richtig: wer sagt, u. z. in öffentlicher Versammlung. Dass nur dieser Sinn gemeint ist, zeigen sowohl die anderen in der Mischnah vorkommenden Fälle, wie auch besonders der Ausdruck משתקין אותו בנויפה. Eine andere hierhergehörige Uebersetzung wird erwähnt in jer. Meg. 75c 11. jer. Ber. 9c mit folgenden Worten: ״Diejenigen, welche übersetzen: ״Mein Volk, Kinder Israels, wie wir (ich Ber. ib.) barmherzig sind im Himmel, so seid auch ihr barmherzig auf Erden; Rind oder Schaf, es und sein Junges, sollt ihr nicht schlachten an Einem Tage“, sie thun nicht recht, denn sie thun so, als ob die Beschlüsse Gottes nur von der Barmherzigkeit eingegeben wären“. Hier ist zwar der Ausdruck אילי! דמתרגמין gebraucht, aber um jedes Missverständniss zu verhüten, fügt Samuel b. Isaac gleich hinzu, dass das Verbot nur auf den öffentlichen Vortrag, dagegen nicht auf die Privatlectüre sich beziehe. Daher kann 1j Siehe die Bemerkung am Schlüsse dieses Aufsatzes!

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