Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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Die rituellen Keinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud. lf> Fisch(.‘.: auch liier war also das (!«•setz nicht für alle vorbmdlieh, sondern nur lur eine gewisse Anzahl Auserwiihiter 11. Anderseits kennen die. gegenwärtigen christlichen Völker gar keine. Speisegesetze und trotzdem enthalten sich manch(‘ Völker des («0,nasses gewissen־ Thierarten in Folge eines ihnen innewohnenden Abseheugefühles, das in den iJewohnheiten und Lebensbedingmigen dieser Volker seine Wurzel hat. Kin ähnliches (»efühl des Abseheiies konnte sich natürlich auch hei primitiven Völkern unter dem Kintlusse v(,rsc.hi(,d<‘11(‘1־ culturhistorischer Momente entwickeln, deren nähere I»e.traehtimg ausserhalb des Rahmens diesen־ Skizze liegt2׳). Die Frag«‘ muss daher in etwas modiiieirter Form wie. folgt gestellt werden: Welche Motive waren für den hihlischen (iesetzgo.bor bestimmend, dass er'diese? Volksgewoimheiten in ein System! brachte und ihnen «.,inen obligatorischreligiösen Uharaekter verlieh, anstatt ihre Beobachtung dem persönlichen Deseiuuaeke des Finzelmm zu überlassen? In Anbetracht des ätissern Uonncxes dieser (Jesetze mit der Institution der rituellen Reinheit war ('s natürlich, in ihnen ebenfalls sanitätspolizoiliehe Vorschriften zu erblicken. Und in der That haben von alters her bis auf die jüngst«‘ Zeit sowohl jüdische wie christliche Forscher sich alle■ Mühe gegeben, einen ätiologischen Zusammenhang zwischen vorschicdcnen Krankheiten und dem Uenusse des Fleisches unreiner Tliiore uufzutf nden. So herrsehte. lange Zeit die 1 Jeherzeugung, dass der (Jenuss von Schweinefleisch und selbstvon Sehweineniilch eine besondere Rrädisposition zur Atissatzerkrankung erzeugeDie moderne Dennatologm theilt natürlich dies(? Ansicht nicht, da keine factische J')at<‘1! vorhanden sind, welche zur Bestätigung derselben dienen ‘) Am wenigsten, wie es scheint, hat die dualistische Anschauung hiebei eine Kollo gespielt. Die Religion Zoroaster’s, in der diese Anschauung die höchste Entwickelung erreicht hat. theilt zwar auch die Thirre in reine und unreine, indem sie erstore als ein Werk des Liohtgottes Ahuramazda ״und letztere als ein Werk Ahriman’s anerkennt, aber diese Theilung hatte bei Zoroaster keinen Einfluss auf das Verbot dieses oder jenes Thieres zum Genüsse, mit Ausnahme des Hundes, der als das beste Erzeugnis Ahuramazda's galt, und dessen Tödtung als ein grösseres Verbrechen betrachtet wurde selbst als der Mord eines Menschen (Vendidad, Fargard XJJI). Dm so merkwürdiger erscheint die Bedeutung, welche bei Erklärung der Speisegesetze der dualistischer! Anschauung von unsern Kabbalisten ’eingeräumt wird. (Vgl. Suhar zu Levit. XI). ־) Nachmanides zu Levitic. XIS 13; 1. D. Michaelis, Mosaisches Rocht IV, § 203. ה) Kiehm, Handwörterbuch d. bi bl. Alterthums, s. v. Schwein.