Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Die rituellen Keinheitsgesetzo in der Bibel und im Talmud. <> Thieres sich 0h11<! Ausnahme auf das ^uizi• Volk erstreckt; di(3 zweite Serie jedoch erweckt den Anschein, als oh das Verbot, solches Fleisch zu gemessen, sieh nur auf die Priester beziehe, den Laien jedoch nur vor״:esehriebcn wurde, nach dem Gebrauche solchen Fleisches wie auch nach dessen Berührung sieh gewissen Reinigimgsproeedurcn zu unterziehen, während der Genuss selbst ihnen nicht verhüten wurde. Aber dieser Widerspruch ist nicht schwer zu heben und berechtigt uns noch nicht die Einheit der göttlichen Gesetzgebung anzuzweifelnr). Es muss nämlich bemerkt werden, dass im Buch(‘. Levitieus die Hauptaufmerksamkeit des Gesetzgebers auf die Gesetze über .Rein und Unrein coneentrirt ist; indem er daher das für alle bestellende Verbot des Genusses als etwas bereits Bekanntes voraussetzt, tlieilt er bloss mit, dass der Uebertretor dieses Verbotes, abgesehen von der auf ihm lastenden Schuld der Gesetzesübertretung, auch in den Zustand physischer Unreinheit gerätli; dem Priester jedoch wird der Genuss noch besonders deswegen verboten, weil er, einmal unrein geworden, nicht mehr im Stand(‘ sein würde, den Tempeldienst zu verrichten und geweihte Speise zu gemessen2). Jedenfalls ersehen wir aus der Gesammtheit ז) Vgl Dillmann, die Bücher Exodus und Levitieus, dritte Aullago, S. 68Ü. ’־) Vgl. Naohmafiides zu Levitieus XXII, 8, dessen Erklärung mit d**r unsrigen ü boreinstim int. Weit schwieriger ist es die unmotivirto Vorschrift des Propheten Ezechiel: ״Keinerlei Aas und nichts Zonisscncs, weder von Vögeln noch von Vieh, dürfen die Priester essen״ (Ezeeh. XL1V, öl) mit dein mosaischen Besetze in Einklang zu bringen. Hinsichtlich dieses Textes bemerkt eine talmudisehe Auloritiit des III Jalirh., der Gosetzlehrer lv. Joebanan: ״diese Stelle wird vom Propheten Elias nach der Ankunft des Messias erklärt werden“. Der Kedactor des Talmud, Kabina, fand jedoch einen Ausweg aus dieser Schwierigkeit. Die Priester, meint er, bedürfen eines besondern Verbotes in Anbetracht dessen, uass ihnen gestattet ward, von den Opfervögeln zu essen, welche im Tempel nicht nach dem üblichen Ritual geschlachtet, sondern vermittels Abknoipeus des Kopfes vom Priester getödtet wurden, was zum Glauben Veranlassung gehen konnte, dass das Verbot־. Gefallenes zu essen, sich überhaupt nicht, auf die Priester erstrecke (Menachot. 45 a). Der Commeutator Samuel b. Meir wendet dieselbe Erklärung auf J.ovit. XXI1, 8 an. Es sei noch bemerkt., dass der angeführte Widorspruch einer von den vielen ist, in Folge deren dom Buche Ezechiel die Gefahr drohte, aus dem Canon der Heiligen Schrift ausgeschlossen zu werden (oder wie der Talmud sich ausdrückt ״verborgen zu werden״). Seine Kettung verdankt es dem Scharfsinn und dem Fleisse eines gewissen Ohananja ben Chiskija, dem es nach vielen durchwachten Nächten, während deren er 800 Maass Ölivenoei verbrannte, gelungen war, sämmtliehe Widersprüche dieses. Buches mit den mosaischen Büchern auszugleichen (Sabbat 18 b; Monachot 45a). ״Es werde der Name dieses Mannes zum Guten gedacht“ heisst es׳ bei dieser Gelegenheit im Talmud, und dieses mit vollem Rechte, können wir unserseits hinzufügen.