Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Die rituellen Reinheitsgesetzo in der Bibel und im Talmud. 7 Sanitäts-Hypothese so weit hinreisson lassen, die Behauptung aufzustellen, dass alle Gesetze der rituellen Reinheit ihre Entstehung ausschliesslich hygienischen Rücksichten vordanken, indem sie die zwischen einigen Gesetzen und unseren modernen medirinischen Begriffen vorhandenen Divergenzen entweder durch die Unvollkommenheit der alten Gesetzgebung■ oder aber durch die Unvollkommenheit, unserer gegenwärtigen medicinischen Kenntnisse erklären. Aber mit dieser Ansicht können wir uns nicht einverstanden erklären. Unbeschadet unseres Eietätgefiihles für unsere alte Gesetzgebung, uubeschadet ferner der Verehrung, welche wir den Errungenschaft.cn des menschlichen Geistes in den letzten Jahrhunderten zollen, hoffen wir nachweisen zu können, dass die Hygiene im engeren Sinn nicht der alleinige Zweck des Gesetzgebers gewesen ist, da er seihst bei den in hygienischer Beziehung unzweifelhaft nützlichen Gesetzen sieh nicht mit ihrer utilitären Bedeutung begnügt, sondern sieh bemüht, ihnen einen mehr erhabenen, geistigen Oharaeter beizulegen. Als Quellen der Infeetion gelten nach mosaischem Gesetze folgend(1 Gegenstände und Zustände: 1) die Leichname von Thiercn jeglicher Art, sowohl der zum Gebrauch gestatteten wie der verbotenen; 2) der sogenannte ״menschliche Aussatz“, unter welchem verschiedene Können von ansteckenden Hautkrankheiten zu verstehen' sind; 3) der Aussatz oder fleehtenartige Bildungen au leblosen Objecten: a) Iläuseraussutz, b) Kleidernussatz; 4) der Eiterfluss beim Manne (gonorrhoe); 5) der monatliche und chronische Blutfluss beim Weibe; (>) das Wochenbett; 7) pollutio nocturna und coitus; 8) der menschliche Leichnam oder ein Theil desselben; 9) die Reinigungsopfer, welche ausserhalb des Lagers verbrannt werden, wie auch der Sündcnhock. Die Bestimmungen über die ersten sieben Quellen der Unreinheit sind im Buche Levitieus auseinandergesetzt (c. 11 —c. 15); über die achte wird ausführlich im Buche Numeri (c. 19) und über die neunte wiederum in Levitieus (c. 16) gehandelt. Die letzte Art der Unreinheit mit augenscheinlich sacralem Oharaeter gehört übrigens nicht in den Rahmen unserer Untersuchung.