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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-10-01 · Heft 1 (Oktober 1896) · p. Seite 47

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
41 (1896-1897)
Issue
Heft 1 (Oktober 1896)
Article
[Rezension]
Date
1896-10-01
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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Besprechung. 47 mehr die grosse Menge im Auge. Sehr interessant ist unter den charakteristischen Auszügen aus Briefen Nachtnanides an sei non Sohn besonders der Brief, der in dem bisher nicht veröffentlichtem Testament eines weinfreundlichen Asketen Salomon, Sohnes des Märtyrers K. Lsaac, S. R. Zadoks, eingeschaltet ist. Der Aufsatz ״Ein jüdischer Boswell“ verbreitet sich über eine interessante Parallele. Boswell, der Biograpli Johnsons, der im Leben seines Helden die scheinbar unbedeutendsten EU dheiton aufzuzeichnen sich vorptlichtet glaubt, und R. Saloroon von St. Goar, der Boswell Maharil's, begründeten Beide ihr Verfahren mit derselben agadischen Deutung d!1s Psalmenwortes: ועלהו לא יכל, dass wir auch שיחת חולין של תלמידי־ חבמים zu studiren verpflichtet sind. Dar Ahn dieses Sammlers, R. Eleasar ben Samuel Hallevi im 14. sec. (]־dieser? Zunz ZGUL S. 208) fordert in seinem Testament, dass seine Kinder ״ehrlich und gewissenhaft gegen Juden wie gegen Nichtjuden“ seien, eine Vorschrift, dio bekanntlich in jener Zeit trotz des Hasses und der Verfolgungssucht der Umgebung in jiidisehen Testamenten häufig wiederkehrt. Man dürfte nicht viel ahnlicho Stellen in christlichen Testamenten derselben Zeit linden. Der sechste und der achte Aufsatz: ״Die Dogmen im Judenthum“ und ״Die Lohre von der göttlichon Vergeltung in der rabbinischen Litteratur“ sind besonders dankenswerthe Arbeite n. Die erstere wendet sich gegen die triviale Behauptung der Realpolitiker in der jüd. Religion, das Judenthum sei ohne Dogmen. Schon Meudelasohn, der <la8 in Beinern Jerusalem lehrt, sei nicht immer dieser Ansicht gewesen. Allerdings der BegrilV ,,erlösender“ Kraft, welcher mit dem Dogma in der christlichen Lehre verbunden ist, fehlt dom jüdischen Dogma. Aber Voraussetzungen, Grundlagen der Religion, auf Glauben begründet, hat es zu allen Zeiten gegeben. Anfangend von dem Glauben an die Existenz Gottes und der Hoffnung auf seine einstige allgemeine Anerkennung, ohne dio kein Blatt in der H. S. verstanden werden kann, giebt der Verfasser eine Entwickelung der jüdischen Dogmatik aus der biblischen und talmudischen bis auf die jüngsto Zeit. Hier und in dein ersten Essay hat der Verfasser den glücklichen Versuch gemacht, das wenig angebaute Feld jüdischer Dogmatik zu betreten. Dio glänzenden Erfolge, welche die historischen Studien unserer Zeit charakterisiren, haben diese Seite der jüdischen Forschung in den Hintergrund gedrängt. Die historische Schule hat, so sagt der Verfasser, kein eigenes theologisches Programm. Ob der aufgeklärte Skepticismus dieser Schule für die Dauer befriedigen wird? In dem Verfasser regen, sich leise Zweifel, und seine Bemerkungen über diese Frage in der Einleitung *) muthen uns an wie der Trost König Hiskia’s: ״Wenn nur Frieden in meinen Tagen sein wird.“ Jedenfalls hat er auch einem glaubenswilligeren Geschlecht nach ihm durch seine Arbeiten über Dogmen und Vergeltung tüchtiges Material geliefert. In ähnlicher Weise weiss er in seiner ״Geschichte der jüdischen Tradition“ durch einen trefflichen Auszug aus dem Lobenswerke Weias’s den Leser für den Gelehrten und seine Arbeiten zu interessiren. — ״Das Gesetz und der moderne Kriticismus“ versucht im Anschluss an ein >) Die Einleitung, deren ilauptthema die Stellung der jüdischen Keligiousgemeinschaft zur historischen Kritik Ist, bietet unter andern! auch durch interessante Streiflichter auf ähnliche Fragen in der anglikanischen Kirche 80 viel Anregendes, dass sie allein schon einen ganzen Artikel zu ihrer Besprechung ln Anspruch nehmen ,würde, zumal man nicht in allen Punkten dem geistvollen Verfasser belstimmen möchte.

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