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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-10-01 · Heft 1 (Oktober 1896) · p. Seite 46

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
41 (1896-1897)
Issue
Heft 1 (Oktober 1896)
Article
[Rezension]
Date
1896-10-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 Besprechung. Dom Fachmann bieten diese Aufsätze zumeist nichts positiv Neues, zumal sie theils in Jewish Quarterley R., theils in Jewish Chronicle bereits veröffentlicht sind. Aber Anregung zu weiteren Forschungen, zu interessanten Parallelen wird auch dem Fachmann gegeben. Die Arbeit׳• u sind, obwohl mehr für Laien berechnet, doch nirgends oberflächlich, nirgends, wie häufig Essays in stoffarmen Zeitschriften, um mit dem grossen englischen Dichter zu sprechen, neody nothings trimmed in jollity. Sie wachsen oft zn guten Monographien aus, dabei das Vorrecht der Essays sich wahrend, nirgends durch allzu grosse Gründlichkeit zu langweilen, dagegen gelegentlich interessanten Seitenwegen zu folgen. So enthält der Aufsatz über Nachman Krochmal, der in jener Zeit lebte, ,,da das Judenthum durch Voltaire’schen Skepticismus und die Plattheiten der sogenannten Mendelssohnschen Schule stark erschüttert war“, nicht bloss eine übersichtliche Inhaltsangabe des 310re nebuche ha-Seman uml eine ansprechende Schilderung des Lebens und der Lehrweise Krochmal’ sondern auch eine Darstellung des Lebens in russisch-polnischen Gemeinden und Lehrhäusern früherer und unserer Zeit Auch uns giebt die Fürbitte zu denken, die er zur Entschuldigung der vielgoschmähten Abwendung der Juden in Polen von nichttalmudischen Studien einlegt. ״Seien wir nicht zu hart gegen die polnischen Juden. Es soll auf unserm Globus Kinder geben, wo Leute durch die herrschende Sitte sich ins andere Extrem haben treiben lassen, wo man mit wenigen Ausnahmen den Talmud sowohl als auch die ganze hebräische Litteratur von dom Programm einer liberalen Erziehung ausachliessen zu müssen glaubte.“ — Treffend ist seine Charakteristik der zahlreichen Vortreter der obenerwähnten Mendelssoiin’schen Schule, die ihrem Meister weder im Wissen, noch im sittlichen Charakter glichen, jener Schöngeister, deren Trachten dahin ging, ״so ,wenig wie möglich zu studiren und so viel wie möglich zu schreiben,“ die ״schlechte Grammatiken, oberflächliche Bibclcommcntare und schrecklich langweilige Gedichte schrieben“. Die Perlen der Sammlung sind wohl die ersten vier Aufsätze. Man merkt dem Verfasser an, dass er mit dem Herzen schreibt und dass er bei aller Würdigung der Gefahr, die der Mysticisinus einer gesunden religiösen Entwicklung bietet, auch gegen die Gefahr der Verflachung nicht blind ist, welche ein allzu starkes Betonen des Verstandesgemässen, der äusseren! Ordnung und Regelmässigkeit droht, die leicht die Unmittelbarkeit des religiösen Gefühls beeinträchtigt, das zwar Schwarmgeister, aber auch Heilige erzeugt. Ja, im geheimsten Kämmerchen verehrt unbewusst, das merkt man, der ehemalige Sehechter manch(' jener Schwarmgeister noch als Heilige. Israel Baalschom dürfte vielleicht vom Verfasser in zu romantischem Lichte gesehen werden. Man wird unwillkürlich an die idyllisch verklärende Schilderung Christi im Verkehr mit seinen Jüngern an den Ufern dos Sees von Tiberias durch Renan erinnert. Der Aufsatz enthält eine Darstellung des berechtigten Kerns der Lehre des Chassidismus und seiner Entartung durch den Zaddikismus. Doch vermisst man historische Anknüpfung des Chassidismus an frühere ähnliche Vorgänge in der Geschichte. Vortrefflich golungen ist die Charakterisik Elias von Wilna. Der Aufsatz über Nachmanides giebt eine Schilderung der liebenswürdigen, temperamentvollen, zur Schwärmerei geneigten, aber doch die realen Verhältnisse stets im Auge behaltenden Persönlichkeit dos grossen Spaniers. Werth voll ist eine Zeichnung der philosophischen Weltanschauung des Mannes, an der Hand seiner Werke. Schrieb Maimonides mehr für bevorzugte Denker, so hatte Nachmanides

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