Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1896)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
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48 Besprechung. Werk von Toy, Professor in Harvard University, London, 1890: Judaism and Christianity, das ewige Gerede über den Ceremonialjsmus im Judenthum auf seinen wahren Werth zurückzuführen. Je aufgeklärter die christlichen Forscher sind, desto mehr pflegen sie, um die. Nothwendig* keit einer Reform durch Christus zu erweisen, die starre Verknöcherung des Judenthums durch das sogenannte Gesetz zu betonen. Dem gegenüber erinnert der Verfasser mit vollem Recht an die unbestreitbare Timtsache, dass unter dieser angeblichen Verknöcherung 25 Jahrhunderte hindurch eine unvergleichliche Litteratur, reich an Werken der Dichtung, der Philosophie und der Wissenschaft, geblüht, dass über diesem Gesetz nie die lauterste Moral vergessen wurde, ja dass es zu grossem Theil ein Verdienst dieses das ganze Leben des jüdischen Menschen erfassenden Gesetzes ist, wenn »las Judenthum allen Anfeindungen gegenüber si<־h aufrecht erhalten hat. Der Eine isst das Passahlamm, um seinen Hunger zu stillen, der Andere, um eia göttliches Gebot zu erfüllen, lehrt E. Jochanan zur Erklärung der Stelle Hosea 8, 13. So sei es mit der Beobachtung des Gesetzes im Allgemeinen, dessen veredelnde Wirkung auf den jüdischen Volkscharaktei unleugbar sei. ,,Das Kind im jüdischen Schriftthum“ giebt eine anziehende Schilderung der Erziehung und des Lebens des jüdischen Kindes auf Grund des jüdischen Gesetzes; ,,Das Weil) in Tempel und Synagoge“ behandelt die Stellung der Frau im religiösen Leben des Juden, beides fleissig ausgearbeitete Mosaikbilder aus dem reichen Schatz des Wissens unseres Autors. Referent hätte gelegentlich des letzteren Themas auch eine Erklärung des Satzes ,דדך מנוח אחדי אימתו מלמד שמנוה עם ד,ארץ ה־ד gewünscht, und die gelehrten Frauen von der berühmten Magd im Hause Rabbi’s, von Bruria, Jalta 11. a. an bis auf Wittusch und — last n׳׳t least —־ Gliickel von Hameln waren gleichfalls ein nicht uninteressanter Punkt dieses Themas gewesen. Wir müssen ein näheres Eingehen auf die anderen Aufsätze mit Rücksicht auf den Raum uns versagen. Eine Eigenschaft ist ihnen allen gemeinsam; sie sind geistreich, anregend, voll Wärme und Leben. Scheehter, der eben in der gesummten gelehrten Welt durch die Veröllentlichung des von ihm entdeckten Sirachblattes mit Anerkennung genannt wird, verdient durch diese Studien den Dank des grossen Laienpublicums in noch grösserem Maasse. Wenn wir ihm auch nicht in allen Einzelheiten beipflichten möchten, so wird dadurch der Werth dos ganzen Werks, dem wir recht zahlreiche aufmerksame Leser wünschen, nicht beinträchtigfc. Sagt ja Sch. selbst: It is not by a perpetual Amen to every utterance of a great authority that truth or literature gains anythißg. Badt. Unberechtigter Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt.