Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1896)
- Article
- Jüdische Alterthümer in Speier
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 41 (sequence 17)
- Language
- German
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Jüdische Alterthüiuer in Speier. 41 Masse Merkaba etc. und den Schriften Saadja's und Donnoloks entnommen sind. Sie unterscheidet sich mit ihren grellen Bildern 'wesentlich von der ideenreichen spanischen Kabbala1). Auch die sogenannte praktische Mystik«) wurde in Speier eifrig betrieben. Samuel, Chassid und Prophet genannt, und sein Sohn Jehuda be-Chassid sollen mit Hille von (iottesnumen staunenerregende Wunder gezeigt haben. Auch die deutsche Ethik, welche im ״Buch der Frommen“ niedergelegt ist, hat 5׳um grössten Theil ihren Ursprung in Speier genommen. Ergebnisse. Aus dem Umstande, dass Rüdiger in seiner Urkunde keine Juden erwähnt, welche in Speier vor 1084 gewohnt hätten, schloss ich oben, dass es dort vor dem genannten Jahre keine Juden, oder wenigstens keine jüdische Gemeindegegeben hätte. Dieser Schluss wird von verschicdeneu Seiten bestätigt. Von Juden in Speier vor 1084 findet sich keine Spur weder in den Urkunden dieser Stadt boi Hilgard, noch in den Regesten bei Aronius. Auch in den älteren Responsen, namentlich in denen dos Kalonymos aus Lueca, dessen Sohnes Mcschullam4), Gerschom's, des Jehuda bt Mei'r ha-Kohcn•י), des Isaac b. Jehuda u. s. w. finde ich Speier nicht erwähnt. Alle diese Thatsachen weisen darauf lun, dass es vor 1084 keine Juden in Speier gegeben hat'j. ג) S. meine Arbeit über die deutsche Mystik in der heb. Zeitschrift החוקי־ Jahrgang II Seite 1 fl*. 2) קבלה מעשית bei den. Spaniern, später auch bei den Deutschen. Die Bezeichnung קבלת für Mystik ist spanischen Ursprungs; die früheren Deutschen kennen diesen Ausdruck nicht. «Schon im 13. Jahrhundert wurde die deutsche Mystik von der spanischen lvabbala verdrängt, und mit ihr taucht der Ausdruck Kabbala bei deutschen Autoren auf. 3) Dies giebt auch Wiener (Monatsschrift XLI, 173) zu. 4) Das Kesponsum Moschuilam's in Or Sarua I,.N 478 ist nicht nach Speier gerichtet, wie Müller (חשובות רבינו קלודמוב מלוקא S. 3) irrthünilich angiebt. 0) 111 einem Responsum Jehuda’6 heisst es: ולא היה רוצה. בעל הזהב כ״א פשימים מאותן;׳ עדים (ערים .1) מעניק, רירמ״ש, שב־ר־א (bei Meir Rothenbürg, Resp. ed. Prag. N 828, vgl. Zunz, Litg. Cll). Hier ist, wie man sieht, bloss von Münzen der drei Städte: Mainz, Worms und Speier die Rede. 6) Spätere Angaben über jüdische Einwohner in Speier vor 1084 müssen richtiggestellt, oder einfach zurückgowiesen werden. So nennt der Anonymus bei S. Luria (Resp. N 29) Jekutiel, der mit seinem Vater Moses dem Alten im 10. Jahrhundert aus Luc ca nach Mainz kam ,,ר׳ יקוודאל ימשפירא*‘. Schon Rapoport• (Biographie Kalir’s, Anmerkung 19) findet die Bezeichnung ״aus Speier“ höchst befremdend für einen Mann, der aus Lucca kommt und in Mainz sich niederlässt. R. sieht hier eine Verwechslung mit einem späteren Jekutiel b. Moses aus Speier (s. oben).