Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1896)
- Article
- Jüdische Alterthümer in Speier
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 35 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829696-2829698-2845239--27462-2845288- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Jüdische Alterthümer in Speier. :35 verblieben die Speierer, bis die Kreuzfahrer vorüber waren, und kehrten dann in die Stadt zurück. Aber ganz sicher war die Lage der Juden in Speier wegen des fanatisirten Pöbels nicht mehr. Die vom oberen Viertel (Altspeier) konnten nicht mehr ohne Lebensgefahr die Synagoge in der Stadt besuchen, da sie dabei viele von Christen bewohnte Strassen zu passiren hatten. Die Altspeiercr mussten daher seit 1006 in dem Lein•״ hause des Jehuda b. Kalonymos beten. Das Beten in einem Lehrhauso fanden sie unbequem und beschlossen, eine Synagoge für sich in Altspeier zu bauen. Der dritto Absatz erzählt, dass die Altspeierer Synagoge im Elul 1104 fertiggestellt, und am folgenden Neujahrsfeste dem Gottesdienste übergeben wurde. Der Verfasser ist in seiner Spracho unbeholfen, auch setzt er als bekannt Thatsachen voraus, die wir erst errathen müssen. Daher kommt es wohl, dass der Synagogen-Berieht bis jetzt verkannt wurde 1). Aber bei tieferem Eindringen ist es unleugbar, dass ihm dieselben Thatsachen zu Grunde liegen, wie der Urkunde Rüdiger's, und dass daher beide Documente sich gegenseitig erklären und ergänzen. Aus bem Synagogen-Berichto ersehen wir, dass die Urkünde Rüdigers Mainzer Einwanderern ausgestellt war; das Datum stimmt sehr gut, denn der 13. September 1084 bei Rüdiger deckt sich mit dem 11. Tischri des Jahres 845 im hebr. Berichte. Audi unser Bericht weiss von zwei verschiedenen Wohnsitzen der Juden in Speier zu erzählen: er kennt eine: שכונה עליונה ג) Bacr versteht unter dem Brande unseres Berichtes das Feuer, wolches Mar Isaac am 29. Mai 1090 an der Mainzer Synagoge in selbst* mörderischer Absicht gelegt hatte (Hebr. Berichte S. 109). Die bedrohten Mainzer sollen sich darauf nacli Speier geflüchtet haben. Nachdem sie dort unter dem Schutze Johann’s bloss 11 Seelen verloren hätten, wären sie nach Mainz zurückgekehrt, wo sie die niedergebrannte Synagoge wieder aufbaueten. (S. 142 Anmerkung). Dieser sonderbaren Auffassung Baer’s folgen Breslau (Einleitung zu den Heb. Berichten XXIV) und Aroniu8 (Kegesten N. 180). Sic ist aus vielen Gründen unhaltbar. Seit dom 27. M-*i wüthen die Kreuzfahrer in der Stadt; um ihrer Grausamkeit zu entgehen, schlachten die Juden Frau und Kind und sich selber; 1100 Leichen bedecken die Strafen — und da bedurfte es des Brandes und der Ermordung Meirs, um den Mainzern Angst vor den beschädigten Städtern einzuflössen? — Ueberdies lässt sich hier Baer einen argen Anachronismus zu Schulden kommen. Wohl berichten christliche Quellen (bei Aronius), dass durch den Brand der Mainzer Synagoge der grösste Theil der Stadt in Flammen aufgegangen wäre; aber dieser Brand brach um 26 Tage nach der Verfolgung in Speier (3. Mai) aus. Er kann daher unmöglich die Veranlassung zur Auswanderung nach Speier gegeben haben. Auch das Datum im Synagogen-Berichte (845) wurde von Baer übersehen. 3*