Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1896)
- Article
- Jüdische Alterthümer in Speier
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 34 (sequence 10)
- Language
- German
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34 Jüdische Alterthümer in Speier. sucht und Liebe. Sein Hauptzweck ist, über den Bau der Synagoge im oberen Viertel und den Tag ihrer Inauguration der Nachwelt Mittheilung zu machen; dabei unterlässt er es nicht, als Einleitung einen kurzen Umriss der Geschichte seiner Gemeinde seit ihrer Niederlassung in Speier zu geben, ltn ersten Absätze berichtet, er über die Veranlassung zur Aus- Wanderung nach Speier und über die freundliche Aufnahme, welcher sich dort die Mainzer Auswanderer zu erfreuen hatten. Ein Brand, welcher in einem jüdischen Viertel Mainz’ ausgcbrachen war, äscherte auch eine von Christen bewohnte Strasse ein. Die Juden befürchteten eine Verfolgung von Seiten der beschädigten Christen und gingen mit dem Gedanken um, auszuwandern. Sie konnten sich aber schwer von Mainz trennen. Erst nachdem Meir Kolien ermordet worden war, entschlossen sich die Bedrohten, die geliebte Stadt zu verlassen. Das war im Jahre 1084, gerade zu der Zeit, als Rüdiger bebeschlossen hatte, Juden in Speier aufzunehmen. Die Unterhandlangen zwischen den beiden Theiien müssen bei dem günstigen Zusammen trollen von Angebot und Nachfrage rasch zum Abschlüsse gekommen sein. Rüdiger schickte seine Leute nach Mainz, um die Auswanderer abzuholen, und ihnen bis Speier Geleit zu geben. Dort angelangt, bekamen sie Wohnsitze ausserhalb der christlichen Bevölkerung angewiesen, und. wurden mit einer Mauer zu ihrem Schutze umgeben. Dort lebten sie in Frieden bis 1000, und sämmtliche Einwanderer verrichteten ihr Gebet in der cinon Synagoge, welche in dem unteren Viertel, in der Stadt, sicli befunden hat1). Anders ward es seit dem erwähnten Schreckonsjahre; darüber berichtet der zweite Absatz. Wohl hatte die Speierer Gemeinde vom ersten Kreuzzuge nur wenig zu leiden. Bischof Johann war den Jarlen ebenso geneigt, wie sein Vorgänger Rüdiger, und stand ihnen in ihrer Noth mit Rath und That bei. Die Speierer Gemeinde kam mit 11 Märtyrern davon, und flüchtete sich auf Veranlassung Johann’s in seine befestigten Städte. Dort 1) Fs sei noch erwähnt, was bereits oben bemerkt wurde, dass auch die Berichte über den ersten KTeuzzug nur eine Synagoge in Speier voraussetzen. Bericht III (Hebr. Berichte, S. 48) erzählt nämlich: Es war am 8. Ijar, an einem Sabbat, da begann das verhängnisvolle Geschick über uns zu kommen (התחיל מדת הדין לבוא עלינו). Die Irrenden (die Krenzfahrer) und die Städter erhoben sich zuerst gegen die heiligen Männer und Frommen des AUerhabenen in Speier und beschlossen, sie alle miteinander in der Synagoge zu ergreifen. Sie (die. Juden) erfuhren es, standen Samstag zeitig auf, beteten schnell und verliessen die Synagoge. -