Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1896)
- Article
- Jüdische Alterthümer in Speier
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
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28 Jüdische Aitorthümor in Speier, Alan nimmt gewöhnlich an, dass cs Juden in Speier schon vor 1084 gegeben habe, und fasst die Urkunde Riidiger\s so auf, dass er» um die Anzahl der jüdischen Bürger zu vergrossem, jüdischen Auswanderern das Bürgerrecht verliehen, und den eingewanderten sowohl als den einheimischen Juden Wohnsitze in dem Dorfe Speier (Altspeier) angewiesen habe. Aber die Urkunde hisst eine solche Auflassung . nicht zu. vSi et Judeos eolligerem“ schliesst die Anwesenheit von Juden in Speier aus, und hätte Rüdiger die städtischen Juden nach dem Dorfe Speier unter denselben Bedingungen versetzt, unter welchen er die neuen Einwanderer aufnahm, so hätte er dies in der Urkunde sagen müssen. Auch resultirt nicht aus der Urkunde, dass ursprünglich den Juden Wohnsitze nur in Altspeier angewiesen worden wären. Die Urkunde spricht vom Dorfe Speier. weil die Vereinigung dieses Dorfes mit der Stadt und die Aufnahme von Juden, wie es scheint, zu einer und derselben Zeit stattfanden. Der Sinn der Worte Rüdiger’s ist etwa: als ich das Dorf Speier zur Stadt zog (um die Stadt zu erweitern), erachtete ich es auch für rathsam, Juden aufzuuehmen, um das Ansehen der Stadt zu heben. Dabei bezieht sich ,,loci nostri“ sicherlich auf Speier1 * 3), und nicht auf das Dorf Speier. Im Gegentheil. Wenn Rüdiger den Juden als Wohnsitze einen Hügel, den er erstanden, und ein Thal, das er ererbt hatte, anweist, so ist daraus zu entnehmen, dass die Juden an zwei verschiedenen Phitzen gewohnt haben. Der Hügel ist sicherlich Altspeier, welches höher gelegen ist als die Stadt, und das Thal ist wohl in der Stadt zu suchen-). In der That liegen uns Beweise vor, dass Juden ausser. in Altspeier, auch in der Stadt selbst gewohnt haben, und zwar schon vor 1096. Wir sind nämlich im Stande, die Lago beider Quartiere genau zu bestimmen. In Altspeier wohnten die Juden nahe an dem Friedhöfe iiu Jahre 1337 '6) und 1349 4 *). Wahrschein- 1) Wie JäiVe (Orient 1842, S. 3(37) und Grätz (VI, 100) richtig auffassen. Wiener (Monatsschrift 18G3 S. 175) übersetzt ״dieser Stätte“ und will darunter Altspoior verstehen. צ) Eine Urkunde vom Jahre 1340 spricht von den Häusern der Juden, ״in der stadt oder in der vorstat zu Spire gelegen“ (llilgard 457, 13). 3) ln einer Urkunde von diesem Jahre heisst es: ״gegen der judon husern aber ze altspire, am Grundstücke anstossend of die Twerchgassen zu altspire nahe bei der juden Kirchhoue“ (Zeuss, Die freie Reichsstadt *Speier, S. 8. 24.) *) In diesem verhängnissvolion Jahre wurden die Judon in Speier vernichtet und ihr Besitz ging an den Rath über. Sie müssen sich bald